Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow will bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin als Fürsprecher von Kremlchef Wladimir Putin auftreten. Er reise an diesem Wochenende zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, um sich in Krisenzeiten für die Interessen Russlands einzusetzen, sagte Gorbatschow der russischen Agentur Interfax. Am 10. November sei ein Treffen mit Merkel geplant.

"Ich bin absolut überzeugt, dass Putin besser als alle anderen heute die Interessen Russlands schützt", sagte der Ex-Sowjetpräsident. Er nannte die USA erneut als Urheber der Krise zwischen Russland und dem Westen. Gorbatschow gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung.  

Gorbatschow stand in Russland lange im Ruf, alles dafür zu tun, um im Westen zu gefallen. Dementsprechend verpönt war er bei den patriotisch orientierten Politikern des Kreml und bei den Staatsmedien, die den 83-Jährigen in den vergangenen Jahren meist ignorierten. Gorbatschow galt zudem als scharfer Kritiker Wladimir Putins. Er hatte diesen während der Proteste im Jahr 2011 zum Rücktritt aufgefordert

In der Ukraine-Krise hat Gorbatschow zu einer prorussischen Haltung gefunden. Im Januar äußerte er, Russland sei ein guter Vermittler im Ukraine-Konflikt. Im März befürwortete er die russische Besetzung der Halbinsel Krim. Im Oktober machte er das Vormachtstreben der USA für den Ukraine-Konflikt verantwortlich. "Es gibt heute eine große Seuche – und das sind die USA und ihr Führungsanspruch", sagte er in einem Radio-Interview. Zwar ermahnte er im selben Atemzug auch Wladimir Putin und warnte vor einem neuen Ost-West-Konflikt. Doch diese Aussagen scheint man im Kreml überhört zu haben. Stattdessen entdecken die russischen Staatsmedien Gorbatschow offenbar pünktlich zum Mauerfall-Jubiläum neu: als historische Galionsfigur und patriotischen Botschafter Russlands.