Die Staaten des Baltikums fürchten nach der Annexion der Krim durch Russland weitere territoriale Ansprüche Moskaus. Die baltische Luftraumüberwachung der Nato hat nach eigenen Angaben allein Anfang Dezember täglich bis zu 30 russische Militärflugzeuge abgefangen, die über der Ostsee oder vor der Küste Norwegens mit ausgeschaltetem Transponder unterwegs waren.

Als Reaktion stocken Litauen, Lettland und Estland nun ihre Verteidigungsbudgets merklich auf. In einem Bericht des lettischen Instituts für Internationale Angelegenheiten hieß es, die Politik habe ihre Einstellung zu Verteidigungsausgaben "entscheidend geändert".

Litauen versetzte sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem auf See 22 russische Kriegsschiffe entdeckt wurden und eine schwer bewaffnete Korvette sich der Seegrenze auf fünf Kilometer näherte.  

Der estnische Verteidigungsminister Sven Mikser unterzeichnete jüngst den größten Waffenlieferungsvertrag in der Geschichte des Landes. Für insgesamt 138 Millionen Euro schafft das 1,3 Millionen Einwohner zählende Estland nun 44 Panzer vom Typ CV90 und sechs vom Typ Leopard aus den Niederlanden an. Zuvor hatte es bereits in den USA für 40 Millionen Euro 40 Stinger-Raketensysteme bestellt.

Lettland kaufte Großbritannien im August für 48 Millionen Euro 123 Kriegsfahrzeuge ab und unterzeichnete im November mit Norwegen einen Vertrag über vier Millionen Euro, um 800 Panzerabwehrsysteme und 100 Lastwagen anzuschaffen. Litauen wiederum kaufte im September von Polen ein Grom-Luftabwehrsystem für 34 Millionen Euro und kündigte an, für weitere 16 Millionen Euro Panzerabwehrraketen in den USA zu ordern.

Estnischer Ministerpräsident fordert mehr Nato-Präsenz

Der estnische Ministerpräsident Taavi Rõivas forderte, "die Präsenz der Nato im Baltikum muss aufrechterhalten und erhöht werden". Die baltischen Armeen hätten zweifellos dem übermächtigen Moskau militärisch alleine kaum etwas entgegenzusetzen, sagte Rõivas bei einem Besuch in den USA, wo er insbesondere auf den Abschluss neuer Rüstungsverträge drang. Nach dem Zerfall der Sowjetunion traten die baltischen Länder im Jahr 2004 sowohl der EU als auch der Nato bei.

Es ginge im Grunde darum, eine russische Offensive so lange aufzuhalten, bis Unterstützung durch die transatlantischen Partner einträfe, erläuterte der litauische Militärexperte Aleksandras Matonis. Im schlimmsten Fall müssten die Länder "eine erste Welle der Aggression" selbst abwehren können. 

Die Militär-Gesamtausgaben der drei baltischen Staaten betrugen in sechs Monaten rund 300 Millionen Euro. Der Gesamtetat der Balten, der 2014 bei 1,2 Milliarden Euro lag, ist allerdings klein im Vergleich zu Russlands Militärhaushalt von umgerechnet 60 Milliarden Euro.