In Belgien hat am Sonntagabend ein landesweiter Streik aus Protest gegen die Reformpolitik der Regierung begonnen. Zunächst legten die Fluglotsen und Eisenbahner die Arbeit nieder, am Vormittag soll der Ausstand nun auf den öffentlichen Nahverkehr, die Schulen, Behörden und Gerichte ausgeweitet werden. Die drei belgischen Gewerkschaften sind an dem Ausstand beteiligt, sie rechnen mit massiven Behinderungen des öffentlichen Lebens in sämtlichen Bereichen.

Am Brüsseler Flughafen wurden am Sonntagabend um 22 Uhr alle Flüge für die kommenden 24 Stunden annulliert, da sich die Flugaufsicht des Landes dem Arbeitskampf angeschlossen hat. Notlandungen sollen noch möglich sein, die regulären  Flüge – etwa 600 ankommende und abgehende – fallen aus.  

Auch Busse und Bahnen fahren nicht. Die Deutsche Bahn rechnete mit Auswirkungen auf Verbindungen bis zum frühen Dienstagmorgen. Die Fernzüge Thalys und TGV fallen aus; der Kanalzug Eurostar, der Brüssel mit London verbindet, fährt am heutigen Montag nur bis ins nordfranzösische Lille.

Selbst Autofahrer müssen vereinzelt mit Problemen rechnen. Gewerkschafter wollen Straßensperren in Industriegebieten errichten. Schulen und die öffentliche Verwaltung können betroffen sein, ebenso einige größere Unternehmen. Aus Sicherheitsgründen wurde laut der belgischen Nachrichtenagentur Belga der kommerzielle Schiffsverkehr auf dem Fluss Schelde frühzeitig eingestellt. Dies trifft unter anderem den Antwerpener Hafen.

Regierung plant Anhebung des Rentenalters

Die Proteste richten sich gegen die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Charles Michel. Es ist der Höhepunkt einer Streikwelle, mit der sich die Gewerkschaften seit dem 24. November gegen die Sparpläne wehren. Die Regierung plant neben massiven Einsparungen, ab 2030 das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre zu erhöhen.

Zumindest einmal soll auch auf die in Belgien übliche automatische Anpassung der Gehälter an steigende Preise verzichtet werden. Nach Ansicht der Gewerkschaften würden die Pläne vor allem Arbeitnehmer, Arbeitslose, Senioren und Kranke treffen. Wohlhabende und das Großkapital blieben hingegen verschont, heißt es.