Anbau von Mohn in Afghanistan © Parwiz/Reuters

Der Bundesnachrichtendienst warnt vor den Folgen der Drogenproduktion in Afghanistan. Sie habe in mehreren Staaten deutlichen Einfluss auf die Sicherheitslage und die Wirtschaft, schreibt der BND in einer Analyse über den internationalen Rauschgifthandel. Als besonders negatives Beispiel wird die Lage in Afghanistan genannt, dem größten Anbauland von Schlafmohn und Cannabis. Dort profitieren laut BND die radikal-islamischen Taliban von der Drogenproduktion.

"Durch die generierten Gelder werden Patronage-Netzwerke und unterschiedliche bewaffnete Gruppierungen, hier insbesondere auch die Taliban, finanziert, sowie die Korruption im Land massiv gestärkt", berichtet der BND. Die Bekämpfung des internationalen Drogenhandels werde erschwert "durch die stetig zunehmende Diversifizierung von Schmuggelrouten und Nutzung der legalen Warenströme".

Maßgeblicher Schmuggelkorridor für Heroin aus Afghanistan nach West- und Zentraleuropa sei die Balkanroute über den Iran, die Türkei und die Balkanstaaten. In den vergangenen Jahren hätten sich zusätzlich zahlreiche Unterrouten gebildet: "So hat sich Ostafrika als wichtige Drehscheibe für den Heroinumschlag etabliert."

Die Drogenlieferungen kämen auf dem Seeweg aus dem Iran und Pakistan und würden dann von Flugkurieren oder per Luftfracht nach Europa gebracht, schreibt der BND. Zum direkten Transport des Heroins aus dem Iran und Pakistan in westeuropäische Häfen würden zunehmend Container genutzt.

850 Deutsche für "Resolute Support"

Die Nato-Mission Isaf zur aktiven Bekämpfung der Taliban endet am 31. Dezember. 2015 wird sie durch die Ausbildungs- und Beratungsmission "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung) ersetzt. 12.000 ausländische Soldaten sollen in Afghanistan bleiben, davon knapp 9.000 Amerikaner und bis zu 850 Deutsche. Der Bundestag entscheidet am Donnerstag über das Mandat für diese Mission. Derzeit sind 1.200 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

Die neue Mission ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Sie soll aus Kabul und vier Orten in anderen Landesteilen heraus agieren. Die Bundeswehr ist weiterhin für den Norden verantwortlich. Die Mission ist als Einsatz auf höherer Ebene, etwa in Führungsstäben oder Ministerien, geplant. Kampfeinsätze sind grundsätzlich nicht mehr vorgesehen. Allerdings sollen die Truppen sich selbst und auch Verbündete mit Waffengewalt schützen.

Von der Leyen in Kabul

Trotz des Todes ihres Vaters Ernst Albrecht setzt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren Afghanistan-Besuch fort. Sie traf am Morgen in Kabul ein, um mit Regierungsvertretern und deutschen Soldaten zu sprechen. Dem neuen afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani sagte von der Leyen bei einem Treffen weitere deutsche Unterstützung zu: "Ghani hat deutlich gemacht, wie sehr er das deutsche Engagement schätzt."

Um einen Rückfall des Landes in die Gewalt zu verhindern, will Deutschland Afghanistan bis mindestens 2016 jährlich mit 430 Millionen Euro helfen. Deutschland ist damit drittgrößter Geber nach den USA und Japan.