Demonstranten protestieren in Straßburg gegen die Zusammenlegung der Regionen Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne. © Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Frankreich wird von 2016 an nur noch 13 statt den bisherigen 22 Regionen haben. Trotz Protesten werden mehrere Regionen zusammengelegt, das französische Parlament hat die Gebietsreform verabschiedet. Für die Vorlage stimmten in der Nationalversammlung in Paris 95 Abgeordnete, dagegen 56 und elf enthielten sich. Vor allem Linke, Grüne, Zentrumspolitiker und Konservative waren eher dagegen.

Die Regierung von Premierminister Manuel Valls verspricht sich für die größeren Regionen unter anderem mehr Gewicht und Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich. Zudem sollen mit der Reform mittelfristig etwa zehn Milliarden Euro Verwaltungskosten eingespart werden.

Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, auch wenn die neue politische Landkarte "nicht perfekt sei", so sei sie doch ein Zeichen der Hoffnung für diejenigen, "die an die Notwendigkeit von Reformen in Frankreich glauben". Die Regierung hatte ursprünglich 14 statt der nun beschlossenen 13 Regionen schaffen wollen. Das Gesetz sieht auch vor, dass die Regionalwahlen in Frankreich von März auf Dezember 2015 verschoben werden.

Proteste im Elsass

Widerstand und Proteste gab es vor allem im Elsass, wo viele Menschen den Verlust der Identität und Steuerbelastungen durch Mitfinanzierung schwächerer Gebiete fürchten. Das Elsass wird mit Lothringen und Champagne-Ardenne fusionieren. Mehr als 60.000 Bürger haben dagegen eine vom konservativen Mülhausener Bürgermeister Jean Rottner lancierte Petition unterschrieben. Auf öffentlichen Plätzen sind zunehmend elsässische Fahnen und Plakate mit zweisprachigen Slogans wie "Freies Elsass – Alsace libre" zu sehen, die Facebook-Gruppe non à la fusion hat knapp 20.000 Mitglieder.

Das Elsass ist eine der wohlhabendsten Regionen Frankreichs, im Gegensatz zu Lothringen und der vorwiegend ländlichen Champagne. Die Arbeitslosenquote ist im Elsass mit 9,5 Prozent um gut einen Prozentpunkt niedriger als bei den künftigen Partnern. Für eine Fusion müsse es "ein Minimum an wirtschaftlicher Logik" geben, teilten die elsässischen Wirtschaftskammern in einer gemeinsamen Stellungnahme mit.  

Die UMP will das Gesetz stoppen

Auch die Zusammenlegung der Midi-Pyrénées mit Languedoc-Roussillon im Süden sowie Nord-Pas-de-Calais mit der Picardie im Norden waren umstritten. Die fünf Überseeregionen Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Réunion und Mayotte bleiben unberührt.

Die konservative Partei UMP kündigte an, dass sie umgehend den Verfassungsrat anrufen werde, um das Gesetz noch zu stoppen. Im französischen Parlament werden in den nächsten Monaten noch weitere Reformen bei den Gebietskörperschaften beraten. Dabei geht es unter anderem um die Zuständigkeiten für Regionen und Départements etwa in Wirtschafts- und Sozialfragen.