Griechenland schien aus dem Gröbsten heraus zu sein. Die Haushaltskonsolidierung und die dem Land nach dem Ausbruch der Eurokrise verordneten scharfen Sparmaßnahmen tragen Früchte. Die Reformen, die der Bevölkerung so harte Einschnitte abverlangten, haben das Land wettbewerbsfähiger gemacht. Nach sechs Jahren Rezession wächst die Wirtschaft wieder.

Doch nun steht alles auf dem Spiel: Dem Land droht ein Rückfall in die tiefe Krise, mit möglicherweise schlimmeren Folgen als beim ersten Mal – keine Krise 2.0 sondern eine Krise².

Denn nach der gescheiterten Präsidentenkür steht Griechenland vor Neuwahlen, mit womöglich dramatischen Konsequenzen. Der Urnengang in vier Wochen könnte zu einer folgenschweren Weichenstellung werden – wenn nämlich in Athen das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) die Macht übernimmt, worauf Umfragen hindeuten.

Die nächsten Wochen werden von großer Verunsicherung geprägt sein. Investoren werden abwarten, wohin das Land nach der Wahl am 25. Januar steuert. Anleger könnten Gelder abziehen. Es wäre kein Wunder, wenn selbst griechische Sparer nun ihre Konten plündern, um die Euro-Ersparnisse erst einmal in Sicherheit zu bringen, und sei es unter der Matratze. Für die griechische Wirtschaft ist der bevorstehende Wahlkampf Gift.

Was danach kommt, könnte allerdings noch weit schlimmer werden. Die Meinungsumfragen lassen einen Syriza-Wahlsieg erwarten. Das linke Bündnis ist eigentlich gar keine Partei, sondern ein Sammelbecken von rund einem Dutzend Gruppierungen. Das Spektrum reicht von Linkssozialisten über Marxisten, Trotzkisten, Maoisten und Altkommunisten bis hin zu Extremisten, die Gewalt als ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung betrachten. Der linksextremistische Syriza-Flügel, der etwa 30 bis 40 Prozent des Bündnisses repräsentiert, propagiert offen den Abschied vom Euro sowie den Austritt Griechenlands aus EU und Nato.

Widersprüchliche Ankündigungen von Tsipras

Je näher der Wahltermin rückt, desto verschwommener werden die Auskünfte des Syriza-Chefs und -Spitzenkandidaten Alexis Tsipras. Mal will er die Spar-Vereinbarungen und Kreditverträge mit der Troika von EU und Internationalem Währungsfond "zerreißen", wenn er Ministerpräsident wird. Dann wieder spricht er von "Verhandlungen". Zugleich kündigt sein Fraktionschef Panagiotis Kourouplis allerdings einen einseitigen Schuldenschnitt von 70 Prozent an, was eine Insolvenz des griechischen Staates bedeuten würde. Denn das Land bekäme dann keine neuen Kredite mehr und könnte die bestehenden nicht mehr umschulden.

Auch ein "GRexit", ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone, steht wieder auf der Tagesordnung. Oppositionsführer Tsipras gelobt zwar einerseits, Griechenland in der Euro-Zone halten zu wollen. Andererseits sagt er, der Euro sei "kein Fetisch". In Brüssel macht man sich deshalb riesige Sorgen, dass all das mühsam Erreichte bald wieder dahin sein könnte.

An die in der Bevölkerung äußerst unbeliebten Abmachungen mit der Troika fühlt sich Tsipras jedenfalls nicht gebunden. So will er Privatisierungen strategisch wichtiger Unternehmen unter der jetzigen konservativ-sozialdemokratischen Regierung rückgängig machen. Und er lässt es bisher offen, ob er die Investoren dabei enteignen oder wenigstens entschädigen will.