US-Außenminister John Kerry hat die internationale Koalition auf einen lange andauernden Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eingestimmt. Dieser werde so lange dauern, wie es notwendig sei – vermutlich Jahre, sagte Kerry im Nato-Hauptquartier in Brüssel, in dem das Treffen der Koalition stattfand. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Jeder weiß, dass es ein langer Weg ist."

Erste deutliche Erfolge sieht die Koalition jedoch bereits. In einer Schlusserklärung hieß es: Der Vormarsch von IS durch Syrien und in den Irak ist dabei, gestoppt zu werden. "Truppen des Irak und der kurdischen Regionalregierung gewinnen nun mit Unterstützung von Luftangriffen der Koalition Gebiete zurück."

Vor dem Treffen der internationalen Koalition hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad mitgeteilt, dass er eine andere Ansicht vertrete. Dem französischen Magazin Paris-Match sagte er: "Man kann Terrorismus nicht durch Luftangriffe beenden." Dazu seien gleichzeitig agierende Bodentruppen unerlässlich.

Koalition will IS nachhaltig schwächen und besiegen

Die Teilnehmer des Treffens bekräftigten, eine langfristige Strategie verfolgen zu wollten, "um IS zu schwächen und zu besiegen". Kerry würdigte die breite internationale Zusammenarbeit gegen die sunnitischen Extremisten. "Der IS ist eine Bedrohung und eine Gefahr für die Werte von uns allen", sagte Kerry.

Dabei gehe es nicht nur um weitere militärische Unterstützung der IS-Gegner, sondern auch um Wege, den Zustrom ausländischer Kämpfer zu der Dschihadistenmiliz zu stoppen und die Finanzierung des IS zu verhindern.

IS ideologisch delegitimieren

Ein weiteres Ziel sei es, "die wahre Natur" des IS bloßzustellen und ihn "ideologisch zu delegitimieren", heißt es in der Schlusserklärung. Steinmeier sagte, hier seien vor allem die muslimischen Staaten gefragt. Sie müssten klarstellen, dass IS-Kämpfer, die "brandschatzend und mordend" durch Städte und Dörfer zögen, nicht im Namen des Islam handelten.

Die Anti-IS-Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten hatte sich Anfang September mit zunächst fünf westlichen und fünf arabischen Staaten zusammengefunden, um den Vormarsch und die Schreckensherrschaft der Extremisten im Irak und in Syrien zu stoppen. Inzwischen gehören der Koalition rund 60 Staaten an, darunter etwa Deutschland, die Türkei und Saudi-Arabien. Rund ein Dutzend Nationen fliegen Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Deutschland unterstützt die kurdischen Anti-IS-Kämpfer mit Waffen und Ausbildung und Flüchtlinge mit Hilfsgütern. Steinmeier sagte, eine Ausweitung der Ausbildungshilfe für die Peschmerga werde erwogen, eine Entscheidung könnte noch vor Weihnachten fallen. Bereits zugesagt hat das Auswärtige Amt 40 Millionen Euro für weitere Nahrungsmittelhilfe an rund zwölf Millionen Flüchtlinge in der Krisenregion.

Iran dementiert Luftangriffe im Irak

Kurz vor Beginn des Treffens berichteten die USA, erstmals hätten auch iranische Kampfflugzeuge IS-Stützpunkte im benachbarten Irak angegriffen. Eine Sprecherin des iranischen Außenamts bezeichnete die US-Angaben als "nicht genau" und "daher auch nicht korrekt". Ein klares Dementi gab sie jedoch nicht ab.

Teherans Strategie stützte sich bislang auf die militärische Beratung der irakischen Streitkräfte, nicht auf direkte Einsätze. Der Iran gehört nicht zu dem Bündnis, da die USA eine Beteiligung des Regimes in Teheran ablehnen.

Am Rande des Treffens kam der US-Außenminister zu einem Gespräch mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi zusammen, der weitere Unterstützung im Kampf gegen den IS forderte. Al-Abadi habe mitgeteilt, sein Land werde die Allianz offiziell um Hilfe bei der Verbesserung der militärischen Kapazitäten des Irak bitten, sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu. Allerdings müsste die Anfrage von den Mitgliedsstaaten geprüft werden.