Die Partei des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl einen deutlichen Sieg errungen. Damit steht Abe für weitere vier Jahre an der Spitze der japanischen Regierung. Er profitierte von der zersplitterten Opposition und der extrem geringen Wahlbeteiligung.

Ersten Ergebnissen zufolge gewann die Koalition unter Abes Liberaldemokratischer Partei zwei Drittel der Sitze im Unterhaus des Parlaments. Die LDP und ihr Koalitionspartner Komeito konnten sich 317 der 475 Sitze im Unterhaus sichern. Die oppositionelle Demokratische Partei dürfte etwas mehr als die bislang 62 Sitze erhalten, aber deutlich unter den angestrebten 100 Mandaten liegen. Das vorläufige amtliche Ergebnis wird am Montag erwartet.

Der Wahlerfolg ist für Abe eine Bestätigung für seinen wirtschaftspolitischen Kurs. Vor zwei Jahren wurde Abe mit dem Versprechen gewählt, Japan aus der jahrelangen Deflation und Stagnation zu holen. Bisher griff seine Abenomics genannte Wirtschaftspolitik nicht. Die japanische Wirtschaft geriet zuletzt erneut in die Rezession. 

Viele Wähler sahen offenbar keine Alternative zum Ministerpräsidenten. Sie würden Abe als das kleinere Übel wählen, sagte der Politik-Professor Yu Uchiyama von der Universität von Tokio: "Es gibt keine Alternativen." Die Wahlbeteiligung erreichte ein Rekordtief. 

Außerdem sieht er sich in anderen umstrittenen Vorhaben gestärkt, wie der Rückkehr zur Atomkraft. Nach Umfragen ist eine Mehrheit im Volk dagegen, die Atomreaktoren wieder anzufahren. Vor fast vier Jahren waren die Reaktoren nach der Katastrophe in Fukushima abgeschaltet worden. Abe will die ersten beiden Meiler Anfang kommenden Jahres anfahren. Auch andere seiner Vorhaben wie eine Änderung der pazifistischen Nachkriegsverfassung stoßen auf Widerstand. 

Abe hatte vor einem Monat überraschend vorgezogene Neuwahlen ausgerufen – nach der Hälfte der laufenden Legislaturperiode. Die Oppositionspartei DPJ war von 2009 bis 2012 an der Macht, verlor aber das Vertrauen der Wähler, weil sie Wahlkampfversprechen nicht einhielt und nach dem Tsunami und der atomaren Katastrophe von Fukushima auf viele Wähler orientierungslos wirkte.