Der Chef der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Cemil Bayık, beschuldigt die türkische Regierung, mit dem IS intensive Beziehungen zu unterhalten: "Der eigentliche Kalif ist nicht Abu Bakr al-Bagdadi, sondern Tayyip Erdoğan", sagte Bayık der Wochenzeitung DIE ZEIT. Innerhalb des IS und der Freien Syrischen Armee gebe es türkische Spezialeinheiten. Das seien inoffizielle Kräfte, die gegen die PKK kämpfen würden, sagte Bayık. "Einen Krieg mit regulären Streitkräften kann die Türkei nicht mehr gegen uns führen, aber mit diesen Einheiten schon."

Bayık räumte ein, dass dies schwerwiegende Beschuldigungen seien. Die PKK habe es aber nicht nötig, Propaganda zu betreiben. Die türkische Regierungspartei AKP habe ohnehin nicht das Ziel, eine Lösung mit der PKK zu finden. 

Die Verhandlungen der PKK über einen Friedensprozess mit der Türkei seien "einseitig", sagte Bayık. Dennoch: "Wir bereuen nicht, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben." PKK-Anführer Abdullah Öcalan habe einen Verhandlungsentwurf vorbereitet: "Wir haben die Regierung um eine Einschätzung dieses Vorschlags gebeten. Wenn die türkische Regierung diesen Vorschlag nicht akzeptiert, werten wir dies als Kriegsvorbereitung. Das akzeptieren wir nicht." 

Im Friedensprozess brauche es einen Vermittler, sagte Bayık weiter: "Die USA wären eine Möglichkeit. Wir wollen die Lösung des Konflikts mit den Türken. Die Amerikaner sind heute unsere Verbündeten in Kobani. Sie kämpfen gegen den IS so wie wir." Er fügte hinzu: "Die USA können im Nahen Osten keine Politik ohne die Kurden machen." 

Auch für Europa könnte die PKK hilfreich sein, so Bayık. So könnte Europa seine Abhängigkeit von russischer Energie verringern, wenn die kurdischen Gebiete Syriens gesichert seien: "Der Weg des Erdöls und Erdgases zum Mittelmeer führt auch durch Rojava. Wenn dieser Weg gesichert werden könnte, könnte auch Europa aufatmen" sagte Bayık.