Neun Jahre haben der frühere sozialdemokratische Präsident Aleksander Kwaśniewski und der ehemalige Premierminister Leszek Miller geleugnet, dass es in Polen nach 9/11 ein US-amerikanisches Geheimgefängnis gab, in dem Terrorverdächtige eingesperrt und gefoltert wurden. Und das trotz all der Recherchen, die seit 2005 zuerst in der Washington Post auftauchten und schon damals darauf hin deuteten, dass die CIA ein solches Lager eingerichtet hatte – mit Zustimmung der Warschauer Regierung.

Doch nun können sich die beiden – und mit ihnen das ganze Land und die jetzige Regierung – nicht länger vor der Wahrheit drücken. Denn der am Dienstag veröffentlichte US-Senatsbericht über die CIA-Gefängnisse bestätigt, worüber Medien seit Langem berichtet haben: Es gab ein solches geheimes Gefängnis in Polen, die Gefangenen wurden brutal misshandelt.

"Als wir einverstanden waren, diese Stelle zu gründen, hat man uns versichert, dass die Gefangenen nach allen humanitären Regeln behandelt werden", rechtfertigte sich Kwaśniewski nach der Veröffentlichung des Berichts. "Aber wir wurden belogen", fügte er entschuldigend hinzu.

Mindestens elf Gefangene, hauptsächlich Saudis, sollen es gewesen sein. Sie wurden zwischen den Jahren 2002 und 2003 in Stare Kiejkuty, einem kleinen Ort im Norden Polens auf einem Gelände des polnischen Nachrichtendienstes gefangen gehalten. Der sogenannte Krieg gegen den Terror, den die US-Regierung von George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen hatten, verlangte nach ausländischen Orten, an denen Gefangene ungestört vernommen werden konnten. Denn nach US-Recht darf die CIA nur im Ausland tätig werden. Deshalb kam man in Washington wohl auf die Idee, befreundete Länder zu fragen, ob die CIA dort Geheimlager einrichten könne, um Menschen, die verdächtigt wurden, an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen zu sein oder zum Terrornetzwerk Al-Kaida oder seinen Unterstützern zu gehören, festzuhalten und zu verhören. Eines dieser Länder war Polen.

Pistolen und Bohrmaschinen am Kopf

Laut Kwaśniewski haben die Amerikaner die polnische Regierung 2002 nach solch einem Ort gefragt. Warschau sagte zu, obwohl von Anfang an klar war, dass die US-Amerikaner Polen keinen Zutritt zu dem Lager gewähren würden. Als die Regierung mit der CIA einen Vertrag unterzeichnen wollte, in dem die Regeln geklärt werden sollten, die für das Lager gelten sollten, haben deren Vertreter wohl nur gelacht. 

Laut Berichten polnischer Medien ging es nicht nur darum, um jeden Preis alles geheim zu halten. Die CIA wollte vor allem keine Beweise liefern, dass sie internationales Recht brach und Menschenrechte verletzte. Dem Senatsbericht zufolge hat sie das wiederholt und systematisch getan.

Nicht nur Waterboarding, simuliertes Ertränken, war in Stare Kiejkuty auf der Tagesordung. Die CIA-Agenten hielten den Gefangenen auch Pistolen und Bohrmaschinen an den Kopf, um sie zu Aussagen zu zwingen. In dem Lager war damals auch einer der beiden von der CIA bezahlten Psychologen im Einsatz, der für psychische Folter zuständig war. Was er mit den Gefangenen genau tat, ist nicht bekannt. Dennoch beschreibt der Senatsbericht die Methoden der Psychologen als äußerst brutal: Eines der Verhöre in einem Gefängnis in Ausland konnte demnach selbst der anwesende CIA-Agent nicht aushalten, er brach in Tränen aus.

Dass die Folterpraxis in Polen den Amerikanern nützliche Informationen gebracht hat, ist unwahrscheinlich. Dem Bericht zufolge haben die Gefangenen dabei nichts "Wertvolles" ausgesagt. Und wenn, dann bevor die Folter begann.

Dennoch wurden weitere Gefangene mit CIA-Flugzeugen nach Polen gebracht. Die Warschauer Regierung machte sich Sorgen, das Unternehmen aufliegen könne auffliegen und bestand darauf, die Flüge einzustellen. Doch dann zahlte die CIA 15 Millionen Dollar in bar an den polnischen Nachrichtendienst. "Danach wurde die politische Führung dieses Landes viel flexibler", heißt es im Senatsbericht.