Trümmerteile von MH17 © Maxim Zmeyev/Reuters

Nach dem Abschuss des Fluges MH17 von Malaysia Airlines wächst die Kritik an der ukrainischen Luftaufsicht sowie dem Zwischenbericht des niederländischen Sicherheitsrates OVV.  Aktuellen Medienberichten zufolge hatte die ukrainische Luftaufsicht klare Hinweise darauf, dass der Flug über die Ostukraine für Passagiermaschinen in großer Höhe riskant ist. Sätze, die darauf hindeuten, wurden aus dem Zwischenbericht jedoch gestrichen.

Nur drei Tage vor dem MH17-Absturz wurde eine Antonow-Militärmaschine in 6.500 Meter Höhe abgeschossen. Trotzdem hat die Ukraine den Luftraum über dem Osten des Landes nicht sperren lassen. Die Berichte gehen auf eine gemeinsame Recherche der Süddeutschen Zeitung, dem WDR und dem NDR sowie einem niederländischen Rechercheverbund zurück. 

Siemon Wezeman vom Stockholmer Institut für Friedensforschung (Sipri) sagte der Süddeutschen Zeitung, es sei höchst verwunderlich, "warum die ukrainischen Behörden den Luftraum in der Region nicht komplett gesperrt haben", und nach dem Abschuss der Antonow lediglich eine Teilsperrung bis zu einer Höhe von 9.750 Meter veranlasst worden sei. Es sei klar, dass die Antonow mit einem großen Raketensystem abgeschossen wurde. Diese Waffen würden normalerweise ohne Probleme Höhen zwischen 10.000 und 13.000 Meter erreichen.

Zweifel an der Objektivität des Zwischenberichts

Kritik gibt es auch an dem niederländischen Zwischenbericht, der im September veröffentlicht wurde. In einer unveröffentlichten Version des Berichts steht noch der Satz "die Luftraumbegrenzung wurde verfasst als Reaktion auf den Abschuss einer Antonow 24 am 14. Juli auf einer Flughöhe von 6.500 Metern". Dieser taucht jedoch in der Endversion nicht mehr auf. Die Medien vermuten, der Satz wurde gestrichen, um die zu zögerliche Maßnahme der ukrainischen Luftaufsicht zu kaschieren.

 Niederländische Politiker äußern nun Zweifel an der Objektivität des Berichts: "Anscheinend hat es aus irgendeinem Land eine Beschwerde gegen diesen Satz gegeben. Und da mache ich mir Sorgen, ob die Flugunfallbehörde wirklich unabhängig arbeitet", sagte Pieter Omtzigt, Oppositionspolitiker im niederländischen Parlament.

Ukraine hat an Überfluggebühren verdient

Der Anwalt Elmar Giemulla, der Hinterbliebene deutscher Opfer des Absturzes vertritt, äußerte den Verdacht, dass die Ukraine nicht auf Überfluggebühren habe verzichten wollen. Es gehe dabei um erhebliche Einnahmen, sagte er den beteiligten Medien. Den Berichten zufolge betragen diese Einnahmen bis zu zwei Millionen Euro täglich. 

Die Boeing 777 war am 17. Juli in rund 10.000 Meter Höhe über von prorussischen Separatisten kontrolliertem Gebiet in der Ostukraine mutmaßlich abgeschossen worden. Alle 298 Insassen wurden getötet, darunter 193 Niederländer.

Die ukrainische Regierung und mehrere westliche Staaten beschuldigen Russland, durch die Lieferung von Raketenabwehrsystemen an die Separatisten für die Katastrophe mitverantwortlich zu sein. Russland sowie die Separatisten bestreiten das, und sehen die Schuldigen in den Reihen der ukrainischen Armee.