Zwei der neuen ukrainischen Minister: Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius, bis gestern Litauer, und Finanzministerin Natalie Jaresko, bis gestern US-Amerikanerin. © Vladimir Shtanko/Anadolu Agency/dpa

Die Ukraine hat eine neue Regierung – mit großen Überraschungen und Enttäuschungen. Zu den Überraschungen gehört, dass drei ausländische Experten Minister im bunt gemischten Kabinett geworden sind, denen Präsident Petro Poroschenko am Dienstag per Dekret die ukrainische Staatsbürgerschaft verliehen hatte. Zu den Enttäuschungen gehört, dass ein neues Ministerium für Informationspolitik geschaffen wurde, von dem befürchtet wird, es werde eine Art Propagandaministerium.

Nach den Tumulten des vergangenen Jahres hoffen Ukrainer und internationale Geldgeber gleichermaßen auf eine tatkräftige Regierung, die das von Krisen und Krieg erschütterte Land auf Reformkurs bringen kann. Ein Jahr nach Beginn der Maidan-Proteste befindet sich die neue Regierung unter enormem Druck.

Die neue Regierung sei ein "Frankenstein" aus alten Insidern und völlig unbekannten Neulingen geworden, urteilt der ukrainische Politologe Petro Oleschtschuk beim Nachrichtenportal liga.net. Sechs Minister aus der Übergangsregierung sind im neuen Kabinett wieder vertreten, darunter Premier Jazenjuk, Außenminister Pawlo Klimkin, Verteidigungsminister Stepan Poltorak und Innenminister Arsen Awakow.

Hoffnung auf Minister mit Migrationshintergrund

"Die Ukraine steht vor ungewöhnlichen Herausforderungen: die extrem schwierige Wirtschaftslage, die Aggression aus Russland, die Notwendigkeit radikaler Reformen und der Kampf gegen die Korruption. Das alles fordert ungewöhnliche Entscheidungen in den Regierungsgeschäften", hatte Präsident Poroschenko gesagt. Offenbar setzt er auf die Minister mit Migrationshintergrund die Hoffnung, dass sie weder populistisch noch im Eigeninteresse handeln.

Die drei ehemaligen Ausländer in der Regierung sind einerseits ein Zeichen dafür, dass von der neuen Regierung wirklich neue Impulse ausgehen sollen. Doch gleichzeitig zeugt ihre Nominierung davon, wie kaputt und korrupt die einheimischen Kader sind. Im Korruptionsindex 2014, der soeben von Transparency International veröffentlicht wurde, ist die Ukraine Schlusslicht in Europa; hinter dem Kosovo, Albanien und Russland.