Gul Rahman starb am 20. November 2002 in einem Geheimgefängnis der CIA in Afghanistan. Er überlebte wahrscheinlich eine Unterkühlung nicht, nachdem er stundenlang halbnackt an die Wand seiner Zelle gekettet worden war. Der junge Offizier, der für Rahman verantwortlich gewesen war, erhielt einen Bonus von 2.500 Dollar. Eine Untersuchung gegen ihn wurde kurze Zeit später eingestellt – ein Vorgesetzter vermerkte, mit "Fehlern" sei in einem so "unsicheren Geschäft" zu rechnen.  

Auch US-Präsident Barack Obama sprach von "Fehlern", als er sich zum Folterbericht des Senatsausschusses äußerte. Das Programm, das den Tod Rahmans verursachte, wurde nach Ansicht des Präsidenten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 "hastig und nicht sehr vorausschauend" ins Werk gesetzt – von Patrioten, die sicher das Beste für die USA wollten und vor "schmerzhaften Entscheidungen" gestanden hätten. Keine Nation sei perfekt, sagte Obama. "Einige der Methoden waren brutal und meiner Meinung nach Folter. Und das entspricht nicht dem, wofür wir stehen." Die Methoden, durch die Rahman sein Leben verlor, müssten jetzt dort bleiben, wo sie hingehörten – in der Vergangenheit. 

Dass Gul Rahman in einem amerikanischen Gefängnis starb, war vor dem Untersuchungsbericht des amerikanischen Senatsausschusses bekannt. Dass die CIA nach dem 11. September 2001 Gefangene in geheimen Lagern folterte, weiß die Welt spätestens seit Abu Ghraib. Die auch von Barack Obama aufrecht erhaltene Sprachregelung, es habe sich um bedauerliche Fehler gehandelt, ist ebenso alt. Doch der Untersuchungsbericht des Senatsausschusses zeigt so klar wie nie zuvor, dass es sich bei den Folterungen sogenannter Terrorverdächtiger durch CIA-Angehörige und Söldner nicht um Fehler oder "Exzesse" Einzelner handelte.

Es war wohl eher ein systematisches, planvoll umgesetztes Programm, dessen Unrechtmäßigkeit vielen Akteuren bewusst war. So hätten einzelne Folterer "verstört" reagiert und seien "den Tränen nahe" gewesen. Die Foltermethoden seien zudem häufig "sofort" angewandt worden. Man habe in vielen Fällen überhaupt nicht den Versuch unternommen, die Gefangenen gewaltlos zu befragen.  

Bush und Cheney verteidigen Folter

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Senatsberichts ging eine Seite namens ciasavedlives.com online – CIA-Veteranen und Republikaner versuchen hier, den Bericht zu diskreditieren. Die Republikaner streiten aber auch untereinander über die Bewertung der Ergebnisse. Mitch McConnell, der künftige republikanische Mehrheitsführer im Senat, lies verlauten: Seine Partei sei nach wie vor gegen die Veröffentlichung des Berichts, da er "ideologisch motiviert" sei.

Der Senator Lindsey Graham aus South Carolina sagte, die beschriebenen Foltermethoden seien "nichts im Vergleich zu dem, was unsere Feinde und islamistische Terroristen Menschen antun". Gemessen an den eigenen Ansprüchen der USA an sich selbst seien die Methoden allerdings ein "Fehler" gewesen. John McCain ist einer der wenigen Republikaner, die den Ausschuss unterstützen: Die Veröffentlichung des Berichts sei richtig – und Folter immer falsch, sagte der Senator, der als Soldat in Vietnam selbst gefoltert wurde.

Der Bericht des Senatsausschusses wirft der CIA unter anderem vor, die Regierung über das, was sie tat, nicht ausreichend informiert zu haben – ein Aspekt, den manche Republikaner in der Debatte dankbar aufgriffen. Doch ausgerechnet der frühere Vizepräsident Dick Cheney wies das zurück. Zwei Tage vor der Veröffentlichung des Berichts sagte George W. Bushs ehemaliger Stellvertreter, er halte diese Darstellung für Unsinn: "Es war alles autorisiert", sagte er. Die Verhörmethoden seien "vollkommen gerechtfertigt" gewesen.  Sie hätten zudem viele Leben gerettet – eine Behauptung, die die Untersuchungsergebnisse nicht unterstützen. Auch Ex-Präsident Bush verteidigte die CIA. Auf CNN sagte er vor der Veröffentlichung, die beteiligten Agenten seien Patrioten: "Wir als Nation können froh sein, dass diese Menschen für uns arbeiten."

Je mehr Details aus dem Bericht bekannt werden, desto größer dürften auf der anderen Seite des politischen Spektrums die Zweifel daran werden, dass die bisherigen Reformen der CIA tatsächlich genügen. Die demokratische Leiterin des Geheimdienstausschusses, Senatorin Dianne Feinstein, sagte: "Die Geschichte wird uns danach beurteilen, ob wir eine gerechte Gesellschaft sind, in der das Recht regiert. Und ob wir uns einer hässlichen Wahrheit stellen und sagen: 'Nie wieder!'" Doch die Demokraten sind künftig durch die Mehrheitsverhältnisse im Senat blockiert.