Barack Obama © Jim Bourg-Pool/Getty Images

Nach Jahrzehnten der diplomatischen Eiszeit wollen die USA ihr Verhältnis zu Kuba normalisieren. Das kündigte Präsident Barack Obama in einer Fernsehansprache an. Zeitgleich richtete sich Kubas Staatschef Raúl Castro an die Bevölkerung seines Landes. Er begrüßte die Entwicklung, verwies aber auch auf ungeklärte Differenzen.

Obama sagte, er habe mit Castro gesprochen und beschlossen, ein neues Kapitel in der Geschichte beider Länder aufzuschlagen. Der bisherige Ansatz der US-Politik sei nicht mehr zeitgemäß und habe den Interessen seines Landes nicht gedient. "Isolation hat nicht funktioniert. Es ist Zeit für einen neuen Ansatz."

Stattdessen wolle man Kubas Bürgern helfen, indem die Zusammenarbeit der beiden Länder verbessert werde. Es sei die bedeutendste Änderung in der Kuba-Politik der USA seit mehr als 50 Jahren. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern waren seit 1961 unterbrochen. Die damals geschlossene Botschaft in Havanna soll nun wiedereröffnet werden. Außenminister John Kerry werde unverzüglich Gespräche mit Kuba beginnen, sagte Obama. Hochrangige Vertreter seiner Regierung würden auf die Insel reisen.

Möglich wurde die Annäherung nach Obamas Worten durch einen Gefangenenaustausch: Kuba ließ einen hochrangigen US-Spion frei, der sich dort seit Jahrzehnten in Gefangenschaft befunden habe. Ebenfalls freigelassen wurde der seit 2009 wegen Spionageverdachts inhaftierten US-Bürger Alan Gross. Er war festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er illegales Kommunikationsmaterial wie Satellitentelefone an Mitglieder der jüdischen Gemeinde auf Kuba verteilt haben soll. Der 65-Jährige sei auf Bitten der USA aus humanitären Gründen freigekommen, hieß es. Im Gegenzug ließen die USA drei kubanische Agenten frei.

Ein zentraler Punkt der verbesserten Beziehungen soll eine Erleichterung des Reiseverkehrs und des Handels sein. Das US-Wirtschaftsembargo, das bisher noch gegenüber Kuba gilt, kann aber nur mit Zustimmung des Kongresses abgeschafft werden. Obama sagte, dort müsse über ein Ende der Blockade debattiert werden. "Wir haben die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen beschlossen", sagte auch Castro. "Dies bedeutet aber nicht, dass das Entscheidende geklärt ist: die wirtschaftliche Blockade."


Castro begrüßt die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, sagte aber auch, beide Staaten hätten weiter erhebliche Differenzen. Dabei ginge es um Menschenrechte oder Fragen der Souveränität, sagte Castro in seiner Fernsehansprache. Sie müssten aber lernen, mit diesen Unterschieden zu leben und zivilisiert damit umzugehen.

Obama und Castro hatten am Dienstag das erste direkte Gespräch zwischen einem US-Präsidenten und einem kubanischen Staatschef seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen geführt. Laut der New York Times wurde das Abkommen nach 18 Monaten geheimer Verhandlungen erzielt. Die Gespräche sollen hauptsächlich in Kanada stattgefunden haben. Obama bestätigte, dass Papst Franziskus die Annäherung ermuntert hat und maßgeblich zum Gelingen der Gespräche beigetragen hatte.