Der in Argentinien getötete regierungskritische Staatsanwalt ist laut Obduktionsbericht an einem Kopfschuss gestorben. Die Gerichtsmediziner stellten jedoch keine Anzeichen von direkter Fremdeinwirkung fest, wie die Bundesstaatsanwältin Viviana Fein am Montag mitteilte. Damit legte sie einen Suizid ihres früheren Kollegen Alberto Nisman nahe, der als Sonderermittler einen Terrorangriff auf das Jüdische Zentrum in Buenos Aires vor 21 Jahren aufklären sollte.

Vor seinem Tod hatte Nisman Vorwürfe gegen die argentinische Regierung um Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner und gegen den Iran erhoben. Er wurde am Sonntag nach offiziellen Angaben tot auf dem Boden des Badezimmers seiner Wohnung in der argentinischen Hauptstadt entdeckt. Neben ihm lagen den Behörden zufolge eine Pistole und eine Patronenhülse. Die Waffe habe nicht Nisman, sondern einem seiner Mitarbeiter gehört, sagte Fein. Ein Abschiedsbrief sei nicht gefunden worden. Ebenso wenig seien an Nismans Händen Schmauchspuren gefunden worden. Dies könne aber auch am Typ der verwendeten Waffe liegen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Nisman zum Suizid gezwungen oder erpresst worden sei, sagte Fein. Die Waffe sei nicht in seiner Hand gewesen. Einbruchsspuren gebe es nicht.

Am Montag sollte Nisman im Kongress unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Vorwürfe gegen Kirchner erläutern. Nisman untersuchte den Anschlag von 1994 in Buenos Aires, bei dem 85 Menschen getötet wurden. Argentiniens Gerichte sehen die Verantwortung beim Iran, der jegliche Verwicklung in den Anschlag zurückgewiesen hat. Vergangenen Mittwoch erklärte Nisman, Kirchner habe versucht, die Ermittlungen gegen die tatverdächtigen Iraner de facto zum Erliegen zu bringen. Ihr Ziel sei es gewesen, die Beziehungen zum Iran zu verbessern und ein Ölgeschäft einzufädeln. "Die Präsidentin und der Außenminister haben die kriminelle Entscheidung getroffen, Irans Unschuld in dem Fall zu fabrizieren, um Argentiniens politische, wirtschaftliche und geopolitische Interessen zu schützen", erklärte Nisman.

Proteste in Buenos Aires

Präsidentin Kirchner schrieb in einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Brief, Nismans Tod erzeuge "Benommenheit und Fragen". Zunächst benutzte sie den Begriff "Suizid" in Verbindung mit dem Tod, schrieb später jedoch ein Fragezeichen neben das Wort.

Die Kongressabgeordnete Cornelia Schmidt-Liermann sagte, sie habe Nisman am Montag in seiner Wohnung abholen wollen, um ihn auf dem Weg in den Kongress zu begleiten. Jeder, der in den letzten 24 Stunden Kontakt mit ihm gehabt habe, habe erklärt, dass er zuversichtlich über die Aussage vor dem Kongress gewesen sei, sagte Schmidt-Liermann. "Es gibt keinen Hinweis, unter jeglichen Umständen, dass er sich selbst tötete." 

Nisman stand unter Polizeischutz

Die Oppositionsabgeordnete Patricia Bullrich sagte in argentinischen Medien, Nisman habe ihr von Drohungen berichtet. Aus Sicherheitskreisen verlautete außerdem, Nisman habe unter Personenschutz gestanden; zehn Polizeibeamte seien dafür angestellt worden. Sie seien aber vor dem exklusiven Wohnhochhaus stationiert gewesen, in dessen 13. Stock Nisman eine Wohnung hatte. 

In Argentiniens Hauptstadt gingen am Montagabend zahlreiche Menschen auf die Straße, um Aufklärung zu fordern. Sie versammelten sich unter anderem am Plaza de Mayo und in mehreren Stadtvierteln von Buenos Aires. Die Demonstranten trugen Plakate mit sich, auf denen "Yo soy Nisman" ("Ich bin Nisman") zu lesen war.