Anschlag "Charlie Hebdo": Hayat Boumeddiene soll in Syrien sein

Die Gefährtin des Supermarkt-Attentäters ist offenbar außer Landes. Die Jagd geht weiter. Israels Premier fordert seine Landsleute zur Heimkehr auf. Der Tag im Live-Blog

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Die unter Hochdruck gesuchte Partnerin des von der Polizei erschossenen islamistischen Geiselnehmers Amedy Coulibaly ist nach Angaben aus türkischen Sicherheitskreisen bereits am 2. Januar in die Türkei eingereist. Die 26-jährige Hayat Boumeddiene halte sich "wahrscheinlich" inzwischen in Syrien auf. "Wir denken, sie war in Urfa eine Woche später, aber es gibt dafür keine Beweise. Die Verdächtige ist seither wahrscheinlich in Syrien", heißt es aus Sicherheitskreisen. Urfa ist die Hauptstadt der türkischen Provinz Şanlıurfa im Südosten der Türkei. Bisher vermutete die französische Polizei, dass Boumeddiene ihrem Lebensgefährten bei der Geiselnahme geholfen hatte und dann geflohen sei.

Unterdessen steht Frankreich noch immer unter Schock. Am Samstag beteiligten sich 700.000 Menschen an Gedenkveranstaltungen für die insgesamt 17 Opfer. Allein in Toulouse gingen 120.000 auf die Straße. Auch nach dem Tod der drei Attentäter galt weiterhin die höchste Alarmstufe. Staatspräsident François Hollande rief erneut Minister und Sicherheitsdienste zu einer Krisensitzung zusammen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief derweil seine Landsleute zum Auswandern auf.  "Ich will den französischen Juden sagen: Israel ist euer Heim", sagte Netanjahu laut Medienberichten. Ein Ministerausschuss werde sich in der kommenden Woche versammeln, um darüber zu beraten, wie man Juden aus Frankreich und Europa zur Einwanderung nach Israel ermutigen könne. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht entschlossen vorgehe, werde es auch an anderen Orten zu Anschlägen kommen, warnte der israelische Regierungschef. Frankreichs Premier Manuel Valls reagierte prompt und sagte bei einem Treffen des Rates jüdischer Institutionen in Frankreich (CRIF): "Frankreich ohne Juden ist nicht mehr Frankreich."

Nach US-Informationen sind die Attentate in Frankreich möglicherweise der Auftakt einer europaweiten Anschlagswelle. Das berichtet die Bild am Sonntag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Offenbar gelang es den Abhörspezialisten des Geheimdienstes National Security Agency (NSA) kurz nach den Anschlägen von Paris, Kommunikationsverkehr der Führung der Terrormiliz "Islamischer Staat" abzuhören. In den abgehörten Gesprächen sollen die IS-Anführer eine europaweite Terrorwelle angekündigt haben. Unter anderem sei auch der Name Rom gefallen. Konkrete Planungen seien allerdings nicht bekannt.

Die westlichen Geheimdienste seien besorgt, dass die Attentäter von Paris möglicherweise Teil eines Terrornetzwerkes seien. US-Ermittler sollen erste Hinweise haben, dass die Brüder Chérif und Said Kouachi Kontakte in die Niederlande hatten, berichtet die Bild am Sonntag. Auch deutsche Sicherheitskreisen gingen davon aus, dass die Täter von außen beeinflusst wurden und Kontakt zu anderen militanten Islamisten hatten. Ob die Anschläge in Paris allerdings gezielt von einer Organisation befohlen worden seien, sei noch unklar.




  • (23:45) US-Ermittler haben offenbar erste Hinweise, dass die Brüder Chérif und Said Kouachi Kontakte in die Niederlande hatten, berichtet die Bild am Sonntag. Auch deutsche Sicherheitskreise gingen davon aus, dass die Täter von außen beeinflusst wurden und Kontakt zu anderen militanten Islamisten hatten. Ob die Anschläge in Paris allerdings gezielt von einer Organisation befohlen worden seien, sei unklar.

  • (23:30) Nach US-Informationen sind die Attentate in Frankreich möglicherweise der Auftakt einer europaweiten Anschlagswelle. Das berichtet die Bild am Sonntag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Demnach gelang es dem NSA kurz nach den Anschlägen von Paris, einen Kommunikationsverkehr der Terrormiliz IS abzuhören. Darin sollen IS-Anführer eine europaweite Terrorwelle angekündigt haben.

  • (23:00) Frankreichs Premier Manuel Valls stärkt den jüdischen Mitbürgern in seinem Land den Rücken: "Frankreich ohne Juden ist nicht mehr Frankreich", sagte er am Abend bei einem Treffen des Rates jüdischer Institutionen in Frankreich (CRIF).

  • (21:40) 45 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Angela Merkel, wollen sich am morgigen Gedenkmarsch in Frankreich beteiligen. Jetzt gaben der israelische Premier Benjamin Netanjahu und das jordanische Königspaar an, ebenfalls dabei zu sein.

  • (21:15) Ein türkischer Geheimdienstmitarbeiter sagt, dass sich die gesuchte mutmaßliche Komplizin schon seit Anfang des Jahres außerhalb Frankreichs aufhält: Eine Frau mit demselben Namen wie die Gesuchte - Hayat Boumeddiene - sei am 2. Januar nach Istanbul geflogen. Von dort sei sie am 4. Januar nach Sanliurfa nahe der Grenze zu Syrien gereist und seitdem "verschwunden".

  • (18:45) Unter dem Hashtag #TousALaMarcheDu11Janvier finden Interessenten Informationen zum Verlauf und den Routen für die morgigen Demos in Frankreich.

  • (18:30) Es gibt neue Zahlen von den Demonstrationen: Insgesamt sollen in Frankreich heute 700.000 Menschen auf die Straßen gegangen sein.

  • (17:21) Die mutmaßliche Komplizin der Attentäter, Hayat Boumeddiene, soll sich in Syrien aufhalten. Das berichtet die Zeitung Le Parisien unter Berufung auf türkische Nachrichtendienste. Demnach soll Boumeddiene am Donnerstag, 8. Januar, die Grenze von der Türkei nach Syrien überquert haben.

  • (17:10) Hat Amedy Coulibaly den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy bei einem Empfang im Elysée-Palast getroffen? Die Zeitung Le Parisien hält das für sehr wahrscheinlich:
    Am 15. Juli 2009 hatte Sarkozy rund 500 Auszubildende eingeladen, unter denen auch ein Mann namens Amedy Coulibaly gewesen sein soll. Le Parisien interviewte ihn vor dem Treffen. Einige Details sprechen dafür, dass es sich dabei um den Attentäter handelte: Das Alter stimmt überein, ebenso die Angabe, dass er eine Ausbildung bei Coca-Cola in Grigny machte und als einziger Junge in einer Familie mit zehn Kindern aufwuchs.

    In dem Interview sagte der junge Mann, er freue sich darauf, den Präsidenten kennenzulernen und ihm seine berufliche Laufbahn zu schildern. Von Mitarbeitern Sarkozys wurde weder bestätigt noch dementiert, dass es sich bei dem Mann um den Attentäter handeln könnte.

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