Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo hat die Chefin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, erneut ein Referendum über die Todesstrafe gefordert. Hinrichtungen sollten zum juristischen Arsenal gehören, um abscheuliche Verbrechen zu bestrafen, sagte sie dem Sender France 2. Sollte sie 2017 zur Präsidentin gewählt werden, dann werde sie ein Referendum über die Todesstrafe anstreben.

Zugleich kritisierte sie finanzielle Kürzungen bei Polizei und Geheimdiensten. Mit Blick auf den Pariser Anschlag sagte sie: "Wir bezahlen jetzt für die niedrigen Mittel der Geheimdienste."

Den Anschlag von Paris wertete Le Pen als Kriegserklärung der Islamisten gegen ihr Land. Frankreich solle nun in den "Krieg gegen den Fundamentalismus" ziehen. Frankreich werde auf das "feige Attentat" angemessen antworten und die Täter fassen, sie richten und hart bestrafen.

Dagegen warnte Frankreichs Regierungschef Manuel Valls davor, mit Intoleranz, Hass und Angst auf den Terroranschlag zu reagieren. Auch Frankreichs Präsident François Hollande schlug mäßigende Töne an. Frankreich werde zwar auf das "feige Attentat" angemessen antworten und die Täter fassen, sie richten und hart bestrafen. Aber: "Unsere beste Waffe ist unsere Einheit, die Freiheit wird immer stärker sein als die Barbarei."

Netanjahu fordert weltweite Reaktion

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief zu einer "weltweiten Reaktion" gegen radikale Islamisten auf. "Mit Entschlossenheit und Einigkeit können wir diese Bedrohung unserer gemeinsamen Zivilisation besiegen."

Der Anschlag in Paris zeige die Verachtung des radikalen Islam für die Werte des Westens. "Wir würdigen Freiheit und Toleranz, sie verehren Tyrannei und Terror", sagte Netanjahu. "Israel wird von denselben Kräften angegriffen, die Europa angreifen. Israel steht Europa bei. Europa muss Israel beistehen."

Gauland sieht Bestätigung für Pegida

In Deutschland versuchten Teile der AfD, die Betroffenheit nach dem Pariser Anschlag für ihren Rechtspopulismus-Kurs auszunutzen. Parteivize Alexander Gauland wertete die Tat als Beleg für die Anliegen der islamkritischen Pegida-Bewegung.

Deren Forderungen erhielten nach dem Massaker besonderes Gewicht. "All diejenigen, die bisher die Sorgen vieler Menschen vor einer drohenden Gefahr durch den Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft", sagte Gauland.

Dagegen rief AfD-Chef Lucke zur Besonnenheit auf. "Man darf nicht die Gewalttat zweier Extremisten einer ganzen Religionsgemeinschaft anlasten, deren Großteil aus friedliebenden, unbescholtenen Menschen besteht."

Empörung von Kauder und Oppermann

Unionsfraktionschef Volker Kauder reagierte auf die Äußerung von Gauland empört. Der islamistische Terror sei auch vom Zentralrat der Muslime in Deutschland eindeutig verurteilt worden, sagt er dem Focus. "Es ist schäbig, den Anschlag nun innenpolitisch instrumentalisieren zu wollen."

Auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte im ZDF den AfD-Vize scharf. "Was Herr Gauland da macht, ist eine ganz üble Demagogie." Damit hetze er gegen Muslime und spalte die Gesellschaft.

Auch Innenminister Thomas de Maizière warnte vor populistischen Brandstiftern in Deutschland. "Terroristische Anschläge haben nichts mit dem Islam zu tun", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Attentate wie das von Paris richteten sich gegen die gesamte Gesellschaft und ihre Werteordnung. Gerade die Menschen, die aus Syrien und dem Irak nach Deutschland kämen, seien dem Terror entflohen und dürften nun nicht ihrerseits in Verdacht geraten, nur weil sie Muslime seien.

Maas warnt vor überzogenen Reaktionen

Ähnlich äußerte sich Justizminister Heiko Maas (SPD). Er warnte vor überzogenen Reaktionen und einer Gleichsetzung von Terror und Islam. Maas verurteilte den Angriff in Paris als "Anschlag auf die Meinungsfreiheit, das Herz unserer Demokratie". Gleichwohl dürfe man sich von Terroristen nicht provozieren lassen, erklärte Maas. "Terroristischer Bedrohung werden wir entschieden, aber mit Besonnenheit und Augenmaß begegnen."

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach forderte gegenüber dem RBB-Inforadio mehr Zurückhaltung bei der Kritik an Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland. "Ein wichtiges Ziel wäre es schon, wenn wir endlich einmal damit aufhören würden, neue Maßnahmen zur Sicherheit, zur Gefahrenabwehr ständig zu kritisieren, als islamophob, als übertriebene Maßnahme."

Man müsse daran denken, dass in Deutschland mehrere Anschläge wegen ungeschickter Täter fehlgeschlagen seien. "Wir hatten in den letzten Jahren auch Glück", sagte Bosbach.

Pegida will mit Trauerflor demonstrieren

Die Dresdner Pegida-Bewegung hatte den Anschlag von Paris am Mittwoch als Bestätigung für ihre These von einer angeblich drohenden Islamisierung Europas gewertet.

Das Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" rief für den kommenden Montag zu einer weiteren Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer sollen mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen.