Chérif (links) und Saïd (rechts) Kouachi, verdächtigt des Attentats auf Charlie Hebdo. © Direction centrale de la Police judiciaire/Getty Images

Während zweier Polizeieinsätze sind die beiden mutmaßlichen Attentäter von Paris getötet worden, ebenso ein dritter Mann, der Geiseln in einem koscheren Supermarkt genommen hatte. Soviel ist bislang über sie bekannt:

Die Brüder Kouachi

Saïd und Chérif Kouachi werden als Söhne algerischer Einwanderer auf dem rechten Seine-Ufer im 10. Pariser Arrondissement geboren – Saïd am 7. September 1980, Chérif am 29. November 1982. 

Offenbar wachsen sie zusammen mit einem weiteren Bruder und einer Schwester zunächst als Vollwaisen in einem Heim in der Stadt Rennes im Nordwesten Frankreichs auf, später in einer Pflegefamilie in einem Einwandererquartier der Stadt. Der Pflegevater soll ein zum Islam konvertierter Franzose sein. Als junge Erwachsene ziehen die Brüder zusammen zurück nach Paris und bestreiten dort mit Gelegenheitsjobs ihren Lebensunterhalt.

Saïd Kouachi

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve bezeichnete Saïd Kouachi als "Aggressor" und treibende Kraft hinter den Anschlägen. Zum Zeitpunkt der Tat lebt er mit seiner Frau und einem gemeinsamen Kind in einem kleinen Apartment in Reims, rund 130 Kilometer von Paris entfernt. Er ist arbeitslos.

Über das Vorleben von Saïd ist relativ wenig bekannt. Erste Kontakte zu radikalem Gedankengut könnte er 2003 haben. Damals begegneten die Brüder dem jungen radikalislamistischen Prediger Farid Benyettou. Die Brüder lernen ihn in der inzwischen abgerissenen Moschee Adda'wa nahe der Pariser Metrostation Stalingrad kennen. Benyettou versammelt eine Gruppe arabischstämmiger junger Männer um sich. Er ist ebenfalls Kind algerischer Einwanderer und soll die Brüder mit Material und Videos versorgt haben. Er befürwortet den Kampf mit der Waffe im Namen des Glaubens und hält amerikafeindliche Predigten.

2008 wird Saïd mit seinem Bruder von der Polizei festgenommen. Während gegen Chérif später ein Prozess geführt wird, kommt Saïd schnell wieder frei. 2010 überprüft ihn die Polizei abermals, stellt die Ermittlungen jedoch wegen fehlender Hinweise wieder ein. Dennoch wird sein Name, wie der seines Bruders, auf der allgemeinen französischen Terror-Beobachtungsliste TIDE (Terrorist Identities Datamart Environment) geführt. Auch im Schengen-Raum sind beide Brüder zur verdeckten Beobachtung ausgeschrieben. Schließlich stehen sie auf der sogenannten No-Fly-Liste der USA. Das verwehrt ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten. Anders als Chérif gerät Saïd bis zuletzt nicht in Konflikt mit französischen Gesetzen.

Nach Informationen der New York Times reist Saïd 2011 für einige Monate in den Jemen, um im damals aktivsten Ableger von Al-Kaida zu trainieren. Dort könnte er auch den geübten Umgang mit Waffen gelernt haben, den die Ermittler den Tätern bescheinigen. Offenbar sind die französischen und amerikanischen Behörden über den Aufenthalt informiert.

Im Jemen steht Saïd Kouachi unter dem Einfluss des Geistlichen Anwar al-Awlaki, der zu jener Zeit eine der wichtigsten Figuren von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel ist. Awlaki wird im selben Jahr bei einem amerikanischen Drohnenangriff getötet. Zuvor soll er explizit zur Ermordung der Karikaturisten von Charlie Hebdo aufgerufen haben.

Chérif Kouachi

Chérif Kouachi führt in Paris zunächst das Leben vieler Einwandererkinder. Er jobbt als Pizzabote und Fitnesstrainer, hat eine Freundin, hört Rap-Musik und kifft. 2003 begegnen er und sein Bruder Farid Benyettou. Dessen Auslegung der heiligen Texte beeindruckt Chérif. "Dort steht, dass es gut ist, als Märtyrer zu sterben", wird er 2004 in einer Dokumentation des Fernsehsenders France 3 sagen. Benyettou habe ihm "eine Rechtfertigung für meinen bevorstehenden Tod" geliefert. Die Süddeutsche Zeitung zitiert seinen späteren Verteidiger mit den Worten, Chérif sei "ein ahnungsloses Kind" gewesen, "das nicht wusste, was es mit seinem Leben anfangen sollte, und das von einem Tag auf den anderen Leute traf, die ihm das Gefühl gaben, wichtig zu sein".

Aus der Gruppe um Benyettou entsteht die "Zelle von Buttes-Chaumont", benannt nach einem Park, der unweit der Moschee im selben Stadtviertel liegt und den Männern als Treffpunkt dient. Diese Zelle radikalisiert zwischen 2003 und 2005 muslimische junge Männer so, dass sie im Irak kämpfen wollen. Chérif hilft mit, die Ausreise der Männer über das syrische Damaskus in den Irak zu organisieren. Dort wollen sie sich dem lokalen Ableger von Al-Kaida anschließen. Die Ausbildung der künftigen Kämpfer bezeichnet Chérif später als ziemlich amateurhaft. Sie habe aus Dauerläufen und einer flüchtigen Einführung in die Handhabung einer Kalaschnikow bestanden.

Im Januar 2005 will auch Chérif nach Damaskus reisen. Doch die Polizei überwacht ihn bereits. Er wird verhaftet, ehe er das Flugzeug besteigen kann. Inhaftiert wird er in der Haftanstalt von Fleury-Mérogis, südlich von Paris. Dort begegnet er offenbar Djamel Beghal. Der radikale Islamist wird 2005 zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Paris geplant hatte. Chérif hält offenbar auch nach seiner eigenen Haftentlassung den Kontakt. Im April 2010 begegnen sich Chérif und Beghal wieder. Ermittler fotografieren beide in Murat im Département Cantal im Süden Frankreichs, wo Beghal unter Hausarrest steht.