Drinnen sprechen sie doppelt so schnell, trinken und rauchen dreimal so viel, sprechen fast nur noch über den Krieg. Es fließen viele Tränen. Auf der Straße sieht man lange Gesichter, die Menschen gehen schnell, nach Einbruch der Dunkelheit sind wenige unterwegs. Es geht darum, zu überleben – darüber hinaus passiert in Donezk nicht viel.

Im Dezember schien der Kreislauf aus Tod und Verzweiflung durchbrochen, drei kurze Wochen war diesem geplagten Landstrich eine Atempause vergönnt. Die ausgehandelte sogenannte Waffenruhe haben im Westen viele falsch als Chance für ein Ende des Konflikts interpretiert. Wer das Aufstocken der militärischen Kräfte auf beiden Seiten beobachtete, sah die Lage anders: als eine Unterbrechung, die zur Vorbereitung auf eine Frühlingsoffensive diente. Am Ende kam sie sogar schneller als befürchtet, und in drei kurzen Januarwochen wurde aus dem eingefrorenen Konflikt im Osten der Ukraine ein sehr realer, wenn auch hybrider Krieg.

Drei entsetzliche Tragödien in der vergangenen Woche haben klar gemacht, welche Gefahr die Raketen und Granaten bedeuten, die so nah an Wohngebieten eingesetzt werden. Am Dienstag wurde an einem ukrainischen Checkpoint auf einer belebten Schnellstraße, die die beiden größten Städte der Region verbindet, ein Reisebus mit Granaten beschossen (13 Tote). Am Donnerstag schlugen zur Hauptverkehrszeit an einer Haltestelle Granaten ein (mindestens zehn Tote). Am Samstag flogen mehrere Dutzend Grad- und Uragan-Raketen auf vier Schulen, 56 Häuser und einen belebten Marktplatz (mindestens 30 Tote).

Die Analyse der Einschlagskrater deutet darauf hin, dass die von Russland unterstützten Separatisten zumindest für zwei der Angriffe verantwortlich sind. Nur bei dem Vorfall mit dem Reisebus ist die Lage nicht ganz klar.

Wer kann überhaupt mit wem verhandeln?

Ein Ausweg ist schwer vorstellbar. Die Rebellen wollen weiter vorrücken, um die gesamte Region um Donezk und Luhansk einzunehmen, die Ukraine aus dem Gleichgewicht zu bringen und Zugang zu wichtiger Infrastruktur zu erlangen. Die Ukrainer haben Angst davor, dass sich die Demarkationslinien gewaltsam verschieben, mit dem möglichen Domino-Effekt, dass weitere prorussische Städte im Osten ihre Unabhängigkeit erklären.

Trotz unzähliger "Kontaktgruppen" gibt es keine wirkliche Verständigung darüber, wer mit wem verhandeln kann. Die Ukraine sieht alle Schuld bei den von Russland unterstützten Separatisten, die sie Terroristen nennt. Die Rebellen beschuldigen die Ukraine, der sie vorwerfen, die Zivilbevölkerung von Donezk zu töten. Russland sagt, die Ukraine sei zu einem Instrument des Westens geworden, die ukrainische Armee sei eine "Legion der Nato". Die USA sagen, Russland finanziere, trainiere und rüste die Rebellen aus.

Russland streitet eine Beteiligung ab, aber diese Behauptungen sind kaum glaubwürdig. Selbst wenn man einmal die Anwesenheit Tausender "Freiwilliger" außer Acht lässt, wissen wir aus diesem Sommer, dass reguläre russische Soldaten an den Kämpfen beteiligt waren. Wladimir Ruban, ein ukrainischer Mediator, der zwischen den Rebellen und Kiew vermittelt, sagte am Mittwoch, er sei persönlich beteiligt gewesen am Austausch von 13 russischen "Fallschirmjägern", die sich nach eigenen Worten verlaufen hatten.

Allerdings war das im Sommer. Inzwischen läuft die russische Beteiligung auf einem Level ab, der sich plausibler abstreiten lässt, und konzentriert sich sehr wahrscheinlich auf die Versorgung und das Training von Separatisten.