Im vergangenen Jahr haben mehr als doppelt so viele Einwanderer in der Bundesrepublik einen Asylantrag eingereicht wie noch im Jahr zuvor. 2014 stellten insgesamt 202.834 Bewerber ihren Antrag auf Asyl, das sind etwa 60 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Rund 20 Prozent der Asylbewerber kommen aus Syrien, 30 Prozent aus der Balkanregion. Die Bewerber aus Syrien erhielten nach der Antragsstellung in der Regel Flüchtlingsschutz, für Einwanderer aus den Balkanstaaten war dies selten der Fall, da die erforderlichen Voraussetzungen nicht vorlagen.

Die Bundesregierung hatte Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina im vergangenen Herbst zu sicheren Herkunftsländern erklärt. Auch wenn Menschen aus diesen Ländern im Einzelfall immer noch Asyl bekommen können, ist es für sie sehr viel schwieriger geworden, eine Notlage zu beweisen. 

Die Zahl der Asylanträge sei die vierthöchste, die es je in Deutschland gegeben hat, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Er verwies auch darauf, dass die Bundesrepublik im Vergleich zu den anderen EU-Staaten mit Abstand die meisten Anträge verzeichne. "Die steigenden Asylzahlen stellen uns vor enorme Herausforderungen, die nur durch ein gesellschaftliches Zusammenwirken zu bewältigen sind", sagte der CDU-Politiker.

Die meisten illegalen Einwanderer kamen über das Mittelmeer

Die Zahl der illegalen Einwanderer in der Europäischen Union (EU) hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Mehr als 276.000 Menschen seien 2014 illegal nach Europa gelangt, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Dies sei eine Zunahme um 138 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Den Kommissionsangaben zufolge kamen 207.000 der Migranten "illegal über das Mittelmeer". Allein seit September seien zwölf mit Flüchtlingen beladene Frachter in Europa eingetroffen. Dies zeige, dass die Schleuser "neue Routen und neue Methoden" finden, Schiffe mit Flüchtlingen über das Meer zu fahren. Allein von der EU-Grenzmission Triton, die Anfang November den italienischen Marine-Einsatz Mare Nostrum im Mittelmeer abgelöst hatte, wurden laut Kommission über 16.400 Menschen aufgegriffen. Während dieser Rettungseinsätze wurden auch 57 Menschenschmuggler festgenommen.

Avramopoulos mahnte, dass ohne ein "entschiedenes und koordiniertes Handeln" der EU der Zustrom von Migranten angesichts der Konflikte an den Grenzen der EU weiter zunehmen werde. Die EU müsse vor allem das Vorgehen gegen Menschenschmuggler verstärken, indem sie die Sammlung und den Austausch von Informationen verbessere. Angesichts der Verlagerung der Flüchtlingsrouten über die Türkei sei Brüssel im Kontakt mit Ankara, um über Konsequenzen zu sprechen, sagte der Kommissar.  

Er sprach sich zudem für eine Erhöhung des Aufnahmekontingents für Flüchtlinge aus Syrien aus. "Die Schlepperbanden und ihre immer wieder neuen Methoden, Flüchtlinge über das Mittelmeer zu schleusen, sind bloß ein Symptom, aber nicht der Kern des Problems", sagte die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel. "Die eigentliche Tragödie ist, dass Menschen, die Schutz suchen, keine Möglichkeit haben, über sichere Wege nach Europa zu gelangen."