Vorort von Paris © Bernard Bisson/Getty Images

Mit deutlichen Worten hat der französische Premierminister Manuel Valls die Probleme seines Landes angesprochen. Es gebe "eine territoriale, soziale, ethnische Apartheid", sagte Valls wenige Tage nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich und Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in mehreren Großstädten.

Die vergangenen Tage hätten viele Übel der französischen Gesellschaft und die Herausforderungen deutlich gemacht. "Seit zu langer Zeit bauen sich Spannungen auf", sagte Valls in Bezug auf die überwiegend durch Einwanderung geprägte Bevölkerung in den Problem-Vorstädten. Er verwies auf den "Abstieg am Stadtrand, die Ghettos".

Seit der islamistischen Anschlagsserie vor knapp zwei Wochen wird in Frankreich verstärkt darüber diskutiert, ob die Problem-Vorstädte mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit und ihrem schlechten Bildungsniveau einen Nährboden für islamistisches Gedankengut bilden. Die Regierung will unter anderem durch eine bessere Schulpolitik gegensteuern.

Kampf gegen Ungleichheit von zentraler Bedeutung

Valls machte deutlich, dass die Probleme schon lange bekannt seien, und erinnerte an die Vorstadt-Krawalle im Jahr 2005. "Danach wird es vergessen", sagte er. Zur "sozialen Misere" in diesen Problemvierteln kämen die "täglichen Diskriminierungen" hinzu, "weil man nicht den richtigen Familiennamen, nicht die richtige Hautfarbe hat oder einfach, weil man eine Frau ist". Es gehe ihm nicht darum, Ausflüchte zu finden, sagte Valls. Doch müsse "der Realität" ins Auge geblickt werden.

Der Kampf gegen Ungleichheit sei von zentraler Bedeutung, sagte Valls. Er forderte dazu auf, gegen das "fürchterliche Gefühl" anzugehen, Bürger zweiter Klasse zu sein. Stattdessen gelte es, den "Geist des 11. Januar" – des Gemeinschaftsgefühls bei der Kundgebung von Millionen Franzosen für die Meinungsfreiheit – zu bewahren, um Reformen voranzutreiben und Ungleichheit zu bekämpfen.