Der Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Gazastreifens stockt: Das UN-Palästinenserhilfswerk (UNRWA) musste seine Wiederaufbauhilfe für Zehntausende Palästinenser vorerst einstellen, weil das Geld nicht mehr reicht, hieß es in einer Mitteilung. Von rund 720 Millionen Dollar (rund 650 Millionen Euro), die für die Reparatur der zerstörten Häuser und Mietzahlungen für den Übergang nötig wären, hat UNRWA demnach bisher nur 135 Millionen Dollar erhalten. 

Zwar hatte die internationale Gemeinschaft bei einer Geberkonferenz in Kairo im Oktober insgesamt 5,4 Milliarden Dollar (etwa 4,2 Milliarden Euro) zugesagt. "Praktisch nichts davon hat Gaza erreicht", schrieb Robert Turner, Direktor der UNRWA in Gaza. "Das ist erschütternd und inakzeptabel". 

"Die Menschen schlafen buchstäblich zwischen dem Schutt, Kinder sind an Unterkühlung gestorben", sagte Turner. Es sei nicht klar, warum die Hilfen nicht in Gaza ankämen, sagte er. Zwar habe die UNRWA noch Mittel, um mit dem Aufbau vollständig zerstörter Häuser zu beginnen. Das Geld für Reparaturen und Mietbeihilfe an Obdachlose sei jedoch aufgebraucht.

Gazakrieg auch Thema in Den Haag

Israel und militante Palästinensergruppen hatten im Sommer 2014 einen 50-tägigen Krieg geführt. Dabei wurden in dem abgeschotteten Küstenstreifen am Mittelmeer UNRWA zufolge 96.000 Häuser zerstört oder beschädigt. Mehr als 2.100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis starben während des Konflikts.   

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen im Gazakrieg eingeleitet. Dabei soll geprüft werden, ob ein formelles Verfahren eröffnet wird. Am Ende könnten Vertreter Israels und der Palästinenser angeklagt werden. Allein die Voruntersuchungen können jedoch Jahre dauern.