Der Ökonom Peter Bofinger hat nachdrücklich vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion gewarnt. "Ein solcher Schritt wäre mit sehr hohen Risiken für die Stabilität des Euro-Raums verbunden", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats der Welt am Sonntag. Dadurch würde "ein Geist aus der Flasche gelassen, der nur schwer beherrschbar wäre", erklärte Bofinger.

Auch der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), sprach sich gegen einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Man solle "jetzt nichts herbei reden, was politisch und wirtschaftlich unklug wäre".

Laut einem Bericht des Spiegel hält die Bundesregierung nicht mehr um jeden Preis an einem Verbleib des hoch verschuldeten Landes in der Euro-Zone fest.

AfD-Chef Bernd Lucke sieht sich durch diese geänderte Haltung der Bundesregierung bestätigt. "Ich begrüße die späte Einsicht von Frau Merkel und Herrn Schäuble, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euro verkraftbar wäre", sagte der Vorsitzende der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD).

Schäuble soll Griechen 2011 EU-Austritt vorgeschlagen haben

Die Bundesregierung habe jahrelang die Wähler irregeführt und Katastrophenszenarios für den Fall eines griechischen Euro-Austritts an die Wand gemalt. Dabei sei es jedem Fachmann immer klar gewesen, dass es geeignete Sicherungsmechanismen gibt, um ein kleines Land wie Griechenland geordnet aus dem Euro zu führen, betonte Lucke.    

Am Sonntag sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter zunächst nur, dass die Bundesregierung darauf setze, dass Griechenland auch nach einem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber erfüllt: "Griechenland ist in der Vergangenheit seinen Verpflichtungen nachgekommen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Griechenland auch weiterhin seinen Verpflichtungen nachkommen wird".

Tsipras für Verbleib in Euro-Zone

Das Linksbündnis Syriza hat Umfragen zufolge gute Chancen bei den Parlamentswahlen am 25. Januar stärkste Partei zu werden. Syriza hat den Griechen versprochen, im Falle eines Wahlsieges die Vereinbarungen mit den internationalen Kreditgebern neu auszuhandeln und den umstrittenen Sparkurs zu lockern. Ein weiterer Schuldenerlass sei möglich. 

Parteichef Alexis Tsipras schlägt nach einer harten Linie in den vergangenen Monaten allerdings inzwischen einen gemäßigteren Ton an und hat unter anderem erklärt, Griechenland werde die Euro-Zone nicht verlassen.

Tsipras sagte, er hoffe, dass EZB-Chef Mario Draghi mit geplanten Wertpapierkäufen Milliarden in Umlauf bringe, um die lahmende Wirtschaft in der Euro-Zone anzuschieben. Dabei könne Griechenland nicht ausgeschlossen werden. Die Europäische Zentralbank müsse auch Staatsanleihen seines Landes kaufen, fügte er hinzu.

Die EZB bereitet seit Längerem weitere Maßnahmen vor, um gegen die Wirtschaftsflaute und die aus Sicht der Notenbank viel zu niedrige Inflation anzukämpfen. Dazu könnten auch Staatsanleihenkäufe gehören, wogegen es jedoch in Deutschland Widerstand gibt. Wenige Tage vor den Wahlen in Griechenland entscheidet die EZB das nächste Mal über ihren geldpolitischen Kurs.

Griechenland wird seit 2010 mit zwei Rettungsprogrammen in Höhe von 240 Milliarden Euro von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über Wasser gehalten.