EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat die neue griechische Regierung vor Alleingängen in der Politik gewarnt. Die Ablehnung der EU-Sanktionen gegen Russland durch den neuen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras sei "sicherlich kein gelungener Einstand" gewesen, sagte Schulz der Bild-Zeitung. "Ich werde sicherlich Tacheles mit ihm reden".

Diese Alleingänge gingen "nicht einfach so ohne Absprache", sagte der SPD-Politiker. Das werde er auch mit Tsipras während seines Besuch an diesem Donnerstag in Athen besprechen. Im ZDF sagte Schulz, er habe mit Entsetzen gesehen, dass Griechenland die gemeinsame Position der Europäischen Union zu Russland aufgegeben habe. Dabei galt Schulz bisher dem griechischen Linkspolitiker als durchaus gewogen. Die beiden stehen seit geraumer Zeit im engen Austausch.  

Die EU-Außenminister wollen bei ihrem Krisentreffen an diesem Donnerstag über Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Offensive der prorussischen Separatisten in der Ostukraine beraten. Die EU macht Russland für die Eskalation mitverantwortlich. Allerdings hat sich Tsipras bereits verärgert darüber geäußert, dass er sich bei der geplanten Verschärfung der Strafmaßnahmen übergangen fühle. 

Milliardäre zur Kasse bitten

Der Bild-Zeitung sagte Schulz außerdem, für einen Schuldenschnitt gebe es in der Eurozone keine Mehrheit. "Ich werde Tsipras aber ermuntern, endlich die Milliardäre, die ihr Geld ins Ausland gebracht haben, zur Steuer zu bitten. Das ist kurzfristig machbar, hilft uns in Brüssel bei der Steuerfluchtbekämpfung. Und ist sicher leichter durchzusetzen als ein Schuldenschnitt."

Am Freitag reist Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nach Athen. Die Zeit drängt: Das bereits einmal verlängerte Rettungsprogramm der Europäer für Griechenland läuft Ende Februar aus.

Der linksgerichtete Tsipras will trotz Warnungen der internationalen Geldgeber nicht am strikten Sparkurs des Landes festhalten. Zudem will er eine Neuregelung zum Abbau der 320 Milliarden Euro Schulden aushandeln und Tausende entlassene Staatsbedienstete wieder einstellen. Tsipras ist seit Montag im Amt, seine Regierungskoalition mit einer rechtspopulistischen Partei steht seit Dienstag.