Noch nicht einmal 24 Stunden ist die Wahl vorbei, da steht die neue Koalition: Die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen haben sich mit der Linkspartei Syriza auf ein Bündnis verständigt. Es sei eine Grundsatzeinigung erzielt worden, sagte ihr Chef Panos Kammenos nach einem Treffen mit seinem Syriza-Kollegen Alexis Tsipras. "Ab jetzt hat das Land eine neue Regierung." Syriza bestätigte die Einigung laut Agenturangaben.

Am Ende ging dies schneller als erwartet. Eigentlich wollte Tsipras auch die Chefs der zentristischen To Potami und der kommunistischen KKE treffen, bevor die neue Regierung die Amtsgeschäfte aufnimmt. Jetzt soll Tsipras noch am Nachmittag als Regierungschef nominiert werden und am Abend vereidigt, wie griechische Medien berichteten.

Die beiden Parteien liegen an gegenüberliegenden Enden des politischen Spektrums. Sie verbindet die Kritik an dem internationalen Hilfsprogramm der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds. Die Rechtspopulisten machen sich zudem insbesondere für ein hartes Vorgehen gegen die illegale Einwanderung stark.

Sie hatten im Wahlkampf zudem mit radikalen Forderungen geworben. Sie wollen die Banken verstaatlichen, den IWF rauswerfen und Griechenlands Finanzproblem mit deutschen Reparationszahlungen für die Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg lösen.

Syriza hatte die Parlamentswahl in Griechenland klar gewonnen, die absolute Mehrheit aber knapp verfehlt und ist zum Regieren daher auf Partner angewiesen. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam das Linksbündnis auf 149 der 300 Sitze im neuen Parlament, damit fehlten zwei Mandate für die absolute Mehrheit. Finanzmarkt und Börsen reagierten mit teils starken Kurssprüngen.

Verhandlungen über Schuldenschnitt

Die konservative Nea Dimokratia des bisherigen Ministerpräsidenten Antonis Samaras war mit 76 Sitzen weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz gelandet.

Tsipras hatte unmittelbar nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend verkündet, dass er als neuer Regierungschef die "desaströse Sparpolitik" in seinem Land beenden und mit den internationalen Gläubigern über einen Schuldenschnitt verhandeln werde. Die Politik der Troika sei beendet, hatte er gesagt. Damit hatte er auch im Wahlkampf geworben.

In der EU trug ihm das starke Kritik ein. Politiker und Ökonomen warnten nach der Wahl vor einem Ausstieg aus den Vereinbarungen mit der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte der Zeitung Le Monde zufolge, auch Griechenland müsse die Regeln der Eurozone einhalten. Es könne keine Sondervereinbarungen für einzelne Länder geben. Zudem stünden in dem Land tiefgreifende Reformen an. Die gelte unabhängig von der Sparpolitik.

Die Staaten der Euro-Gruppe gewähren dem Land Hilfskredite, im Gegenzug muss die Regierung stark sparen und die Staatseinnahmen erhöhen.

Vier Milliarden Rückzahlungen

Es gilt als wahrscheinlich, dass sich beide Seiten auf einen Kompromiss verständigen. Denn ein Ausstieg aus der Währungsgemeinschaft würde sich auch auf Griechenland stark negativ auswirken. Er ist auch von keiner der griechischen Parteien gewollt.

Das Land muss im ersten Quartal mehr als vier Milliarden Euro an Krediten zurückzahlen – davon allein fast drei Milliarden Euro an den IWF. Zudem fehlt bislang die Grundlage dafür, dass dem Land gut sieben Milliarden Euro von den Hilfen zufließen, die ihm in Aussicht gestellt worden waren und mit denen die griechische Regierung schon fest kalkulierte.