Libyen befindet sich in der schwersten Krise seit dem Sturz und Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi. Zuletzt starben bei Gefechten um das größte Ölterminal des Landes Al-Sidra und die Hafenstadt Misrata mehrere Menschen. Seit Wochen kämpfen die Truppen der rivalisierenden Regierungen um die strategisch wichtigen Ölhäfen.

Islamistische Milizionäre schossen Raketen auf ein Tor des Al-Sidra-Exportterminals. Die Angreifer versuchen das Gelände im Osten des Landes zu erobern. Mehrere Granaten hatten zuletzt einen Großbrand im dortigen Öl-Depot ausgelöst.

In der westlichen Hafenstadt Misrata bombardierten Kampfflugzeuge erneut Ziele. Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur Lana wurden dabei zwei Menschen verletzt. Die Stadt liegt rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis und ist mit großen islamistischen Milizen verbunden. Bislang war Misrata von den Kämpfen in dem nordafrikanischen Land weitgehend verschont geblieben.

Seit dem Sturz des ehemaligen Machthabers Gaddafi herrscht in Libyen politisches Chaos. Zwei Regierungen kämpfen um die Vorherrschaft in dem nordafrikanischen Land mit seinen reichen Erdölvorkommen. Die islamistische Milizen-Gruppe Libysche Morgenröte hatte im August die Hauptstadt Tripolis erobert. Die international anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Abdullah al-Thinni flüchtete ins nordöstliche Tobruk. 

Ägyptische Christen entführt

Von der Gewalt der Milizen waren in den vergangenen Tagen auch Ägypter betroffen. In der Stadt Sirte sind 20 christliche Kopten entführt worden. Wie aus libyschen Regierungskreisen verlautete, entführte die islamistische Miliz Ansar al-Scharia am Samstag 13 Christen in der Küstenstadt Sirte und sieben weitere Christen in den vergangenen Tagen. Sirte gilt als Rückzugsort für extremistische Islamistengruppen wie Ansar al-Scharia. 

Eine Zeugin sagte, die Angreifer in der Stadt Sirte seien in ihrer Residenz von Zimmer zu Zimmer gegangen. Sie hätten Ausweispapiere verlangt, um muslimische Arbeiter von christlichen zu trennen. Die bewaffneten Männer hätten den Christen Handschellen angelegt und seien mit ihnen weggefahren.

Ägypter in Libyen werden immer wieder von Milizen angegriffen seit Kairo die libysche Armee im Kampf gegen militante Islamisten unterstützt. Im Februar 2014 wurden nahe der östlichen Stadt Bengasi die Leichen von sieben getöteten Kopten entdeckt. Tausende muslimische und christliche Ägypter leben in dem nordafrikanischen Land. Sie arbeiten vor allem im Bau- und Handwerkssektor    

Am Montag sollen unter Vermittlung der Vereinten Nationen Gespräche über eine Beendigung der Gewalt in Libyen beginnen. Nach Angaben eines UN-Diplomaten soll dabei über eine Waffenruhe, den Rückzug der Milizen sowie deren Entwaffnung verhandelt werden. Die UN geht nach einem jüngst erschienen Bericht von Kriegsverbrechen in dem nordafrikanischen Staat aus.