Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Deutschen nach den Terroranschlägen in Frankreich zu Aufmerksamkeit im Alltag aufgerufen. Es gebe in Deutschland derzeit "so viele Gefährder wie nie zuvor", sagte de Maizière der Bild am Sonntag und nannte eine Zahl von rund 260 Personen. Der Innenminister setzt auf die Hilfe der Bevölkerung. "Wir haben Radikalisierungsprozesse in Deutschland, bei denen sich Personen äußerlich und innerlich bis hin zu ihren Essgewohnheiten verändern", sagte de Maizière. "Da ist Wachsamkeit der Bürger, der Familien, der Nachbarn, der Sportfreunde oder Mitgläubigen in Moscheegemeinden wichtig und richtig". Die Bürger sollten nicht jeden verdächtigen. Das führe sonst zu einem Klima des Misstrauens.

In den vergangenen Wochen seien mehrere Hundert Ermittlungsverfahren wegen terroristischer Aktivitäten eingeleitet worden. Erst am Samstag wurde in Dinslaken ein mutmaßliches Mitgliedes der Terrormiliz IS festgenommen. Der Deutsche soll nach Angaben der Justiz im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein und sich dort der Terrorgruppe angeschlossen haben.

De Maizière sprach sich für eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und eine europaweite Erfassung von Fluggastdaten aus. "Beide Instrumente halte ich für erforderlich, das galt vor den schrecklichen Ereignissen in Frankreich ebenso, wie es danach gilt", sagte de Maizière.

In Paris wollen am heutigen Sonntag derweil Politiker aus aller Welt sowie Hunderttausende Bürger ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Anschlagswelle setzen. Zu der Solidaritätsveranstaltung werden aus Deutschland neben de Maizière und Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Vizekanzler Sigmar Gabriel auch die Außenminister Frank-Walter Steinmeier erwartet. De Maizière wird sich zuvor mit EU-Kollegen treffen, um über Konsequenzen im Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Auch US-Justizminister Eric Holder wird an dem Gespräch teilnehmen. 

5500 Polizisten und Soldaten sollen angesichts möglicher weiterer Anschläge durch Islamisten für die Sicherheit der Teilnehmer des Schweigemarsches sorgen. Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hatte Frankreich mit weiteren Anschlägen gedroht. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte mit weiteren Angriffen in Europa und den USA.