Bei Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen der jüngsten Charlie-Hebdo-Ausgabe sind im westafrikanischen Niger am Freitag mindestens vier Menschen getötet worden. Mindestens 45 weitere Menschen seien in Zinder, der zweitgrößten Stadt des Landes, verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. Bei den Todesopfern handle es sich um drei Zivilisten und einen Polizisten, bei den Verletzten um 22 Sicherheitskräfte und 23 Demonstranten.

In der Stadt waren Proteste gegen die Karikaturen des Propheten zuvor in Gewalt umgeschlagen, das französische Kulturzentrum ging in Flammen auf. "Sie zündeten die Cafeteria, die Mediathek und Verwaltungsräume an", sagte der Direktor Kaoumi Bawa. Zwei Polizisten, die das Zentrum schützen sollten, versuchten demnach vergeblich, die Menge mit Warnschüssen abzuhalten. Die Bevölkerung des westafrikanischen Landes ist überwiegend muslimisch.

In vielen Teilen der islamischen Welt ist es nach den Freitagsgebeten zu Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo gekommen. Auf dem aktuellen Titel hält der Prophet weinend ein "Je suis Charlie"-Schild – als Symbol der Solidarität mit den zwölf Menschen, die vergangene Woche von zwei islamistischen Attentätern bei einem Anschlag auf die Satirezeitung getötet worden waren.

Schüsse bei Unruhen in Pakistan

In der pakistanischen Stadt Karachi kam es zu Unruhen, zwei Menschen wurden verletzt, ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP erlitt nach Medizinerangaben einen Lungendurchschuss. Der Vorfall ereignete sich offenbar vor dem französischen Konsulat in Karachi. Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit Wasserwerfern und Warnschüssen zu vertreiben. Der Fotograf Asif Hassan sei dabei angeschossen worden. Lebensgefahr bestehe offenbar nicht. 

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad versammelten sich rund 1.000 Menschen nach den Freitagsgebeten und hielten Plakate mit Aufschriften wie "Schande über Charlie Hebdo" in die Höhe. In Lahore, im Osten des Landes, kam es ebenfalls zu Protesten.

In der jordanischen Hauptstadt Amman gerieten rund 2.000 Demonstranten mit der Polizei aneinander. Die Beamten vertrieben die Teilnehmer der von der Muslimbruderschaft organisierten Kundgebung mit Schlagstöcken, als sie zur französischen Botschaft marschieren wollten. Die Demonstranten kritisierten auch, dass König Abdullah und Königin Rania an einem Gedenkzug für die Opfer am Sonntag in Paris teilgenommen hatten.

Sympathie mit den Attentätern von Paris

In Istanbul drückten rund 160 Demonstranten ihre Sympathie für die Angreifer der Zeitschrift, Chérif und Saïd Kouachi, aus. Die Männer hielten zusammen ein Begräbnisgebet ab, riefen "Gott ist groß" und hielten ein Transparent mit Bildern des früheren Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden und der Kouachi-Brüder hoch.

Auch in der algerischen Hauptstadt Algier gingen mehr als 1.000 Gläubige auf die Straße und skandierten "Ich bin nicht Charlie, ich bin Mohammed".

In Saudi-Arabien verurteilte der Rat der Höchsten Religionsgelehrten die Abbildung des Propheten und auch die Regierung von Katar forderte westliche Medien auf, den Glauben anderer zu respektieren. In Teheran nannte Imam Mohammed Ali Mowahedi Kermani die Karikatur in seiner Predigt "schockierend" und sagte, sie habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. "Das ist Schamlosigkeit, Blasphemie, Minderwertigkeit, Bösartigkeit und Ignoranz."