Wladimir Putin im russischen TV-Sender Rossija 1 © Dmitri Dukhanin/Kommersant/Getty Images

Wenn Russland Krieg führe, dann zögen sie mit in die Schlacht, sagte Margarita Simonjan, Chefredakteurin des russischen Fernsehkanals RT über das Auslandssprachrohr des Kreml. Lange bevor der Konflikt in der Ukraine losbrach. Längst ist ihr Sender eine wichtige Waffe im russischen Informationskrieg. Doch jetzt erleidet die Propaganda-Maschine eine Niederlage an der Nachrichtenfront. Das Geld wird knapp, sagte Simonjan jüngst in einem Interview mit der Zeitung Wedomosti.

Das dürfte bedeuten, dass Programme zurückgefahren und Mitarbeiter entlassen werden, so die Chefredakteurin. Für die Pläne, einen eigenen Kanal in Deutsch und Französisch aufzubauen, könnte dies das Aus sein. Erst vor Kurzem ist der deutsche RT-Ableger gestartet, bislang aber nur in geringen Umfang im Internet. In Deutschland sahen die Medienmacher eine große Zielgruppe: Kriegsgegner, Globalisierungskritiker, politisch links orientierte Menschen, aber auch Konservative, zitierte das Wall Street Journal einen russischen Offiziellen.

"Der Verfall des Rubels bedeutet, dass unser Budget auf fast die Hälfte geschrumpft ist", sagte Simonjan. 80 Prozent der Ausgaben ihres Senders fallen in Euro und Dollar an. Der staatlich kontrollierte Kanal hat die Aufgabe, russische Sichtweisen in die Welt zu tragen. Der Kreml wollte mit RT, beziehungsweise Russia Today, wie der Kanal ursprünglich hieß, westlichen Nachrichtenriesen wie CNN oder BBC Konkurrenz machen. RT sendet in Englisch, Arabisch und Spanisch in mehr als 100 Länder und erreicht nach eigenen Angaben etwa 700 Millionen Zuschauer. Nun werden zunächst die Finanzen neu sortiert.

Alle sparen, nur das Verteidigungsministerium nicht

Russland muss sparen. Das gilt nicht nur für den Medien-Apparat. Die Regierung bemüht sich, der Rezession gegenzusteuern. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 4,5 Prozent schrumpft. Zumindest war das ihre Prognose bei einem Ölpreis von 60 Dollar pro Fass, inzwischen ist er unter 50 Dollar gerutscht. Die Regierung muss den Haushalt kürzen: Vom Verteidigungsministerium abgesehen, sollen alle Ressorts zehn Prozent einsparen.

Dabei hatte Moskau vor Kurzem noch große Pläne für seine Medien-Offensive. Erst vor einem Jahr hatte Präsident Wladimir Putin überraschend die alte Nachrichtenagentur Ria Nowosti und den Sender Golos Rossii (Stimme Russlands) per Erlass aufgelöst und unter dem Dach der neuen internationalen Informationsagentur Rossija Segodnja (Russland Heute) zusammengeführt. Der Kreml begründete die Entscheidung unter anderem mit Effizienzsteigerung: Moskauer Politik und russische Weltsicht sollen gezielter verbreitet werden.

An der Spitze der Agentur steht Dmitrij Kiseljow, ein Scharfmacher, der "endlich die Dominanz der sogenannten angelsächsischen Medien brechen" will. "Wir glauben, dass diese Medien Propaganda betreiben, das Bild der Welt verzerren und die Interessen der Menschheit verraten", erklärte der Generaldirektor. Es sind vergleichsweise harmlose Aussagen, zu seinen markigsten Sprüchen als Moderator im Fernsehkanal Rossija-1 zählt die Drohung, Russland könnte die USA in "atomare Asche" verwandeln. Kiseljow steht als "zentrale Figur der Regierungspropaganda" auf der nach der Krim-Annexion geschaffenen  Sanktionsliste der EU.