Zehntausende Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos ziehen bei ihrem "Marsch für Veränderung" durch Madrid. © Pedro Armestre/AFP/Getty Images

In Madrid sind Zehntausende Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos aus Protest gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Straße gegangen. Die Massen liefen bei dem "Marsch für Veränderung" vom Cibeles-Brunnen zum Platz an der Puerta del Sol. Podemos ist eine Schwesterpartei des griechischen Linksbündnisses Syriza. Deren Erfolg bei der Wahl in Griechenland will Podemos im November bei den Parlamentswahlen in Spanien nacheifern.

"Die Zeit der Wende ist gekommen, das ist Demokratie", sagte Parteiführer Pablo Iglesias auf der überfüllten Puerta del Sol. Unter dem Jubel seiner Anhänger warf der 36-jährige Politikprofessor der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy vor, mit der Sparpolitik Elend zu schaffen. Die Teilnehmer skandierten "Ja, es ist möglich" und hielten Plakate mit Slogans wie "Ticktack, Ticktack, die Stunde der Veränderung ist da".

Die Anhänger wurden aus dem ganzen Land in die Hauptstadt gebracht, 260 Busse wurden laut Podemos gemietet. Hunderte Einwohner meldeten sich, um Demonstranten für die Nacht zu beherbergen.

Podemos liegt nach Umfragen in Führung

Podemos ("Wir können") hat sich vor fast einem Jahr gegründet, seit Mitte November ist die Bewegung formell eine Partei. Mittlerweile liegt die Linkspartei in einzelnen Umfragen für die im November 2015 anstehende spanische Parlamentswahl bereits in Führung vor Rajoys Volkspartei (PP) und den Sozialisten (PSOE). Bei der Europawahl im Mai 2014 hatte Podemos bereits 1,2 Millionen Stimmen (acht Prozent) bekommen und fünf Sitze in Straßburg errungen.

Nach dem Sieg der Linkspartei Syriza in Griechenland hofft auch Podemos in Spanien auf weiteren Zulauf. Während des Wahlkampfs in Griechenland unterstützte Iglesias den Syriza-Vorsitzenden Alexis Tsipras. Ebenso wie Syriza lehnt Podemos die Spar- und Reformpolitik strikt ab, zu der sich die Regierungen in Madrid und Athen im Gegenzug für Hilfen der internationalen Kreditgeber verpflichtet haben.

Spanien hat die Rezession zwar überwunden,und die Wirtschaft ist laut vorläufigen Daten im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gewachsen. Aber noch immer ist fast jeder Vierte arbeitslos. Besonders unter der Jugend hat die Arbeitslosigkeit dramatische Ausmaße angenommen. Die Löhne sind während der jahrelangen Krise zurückgegangen, während die Zahl der Angestellten mit gering bezahlten befristeten Verträgen stark gestiegen ist.