Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll dem griechischen Vize-Regierungschef Evangelos Venizelos im Jahr 2011 den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vorgeschlagen haben. Das sagte Venizelos der Athener Zeitung Kathimerini. Schäuble habe sich damals aber überzeugen lassen, dass dies Gefahren für die Euro-Zone in sich berge und seine Meinung geändert.

Im Gespräch sei damals ein "freundschaftlicher" Austritt in gegenseitigem Einvernehmen gewesen, sagte Venizelos nun. Die Euro-Partner hätten Athen helfen wollen, sanft den Übergang in die alte Währung, die Drachme, zu schaffen.

Der Euro-Austritt könne jedoch Konsequenzen haben, die nicht "mit bloßem Auge" sichtbar seien, hatte Venizelos nach eigenen Worten damals geantwortet. Das lange und dramatische Gespräch habe in der Bar eines Hotels im polnischen Breslau im November 2011 stattgefunden, sagte er weiter. Venizelos war 2011 griechischer Finanzminister.

In Griechenland finden am 25. Januar Parlamentswahlen statt. Zentrales Thema ist, wie das Land aus der Krise geführt werden kann. Das linke Bündnis Syriza hat gute Chancen, die Wahlen zu gewinnen. Syriza-Vorsitzender Alexis Tsipras kündigte mehrfach hartes Vorgehen gegen den von der EU auferlegten Sparkurs an. Seitdem gibt es Befürchtungen, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Tsipras sagte zuletzt, er wolle sich für einen Verbleib des Landes in der Währungsunion einsetzen.    

Der stellvertretende Regierungssprecher, Georg Streiter, sagte am Sonntag, die Bundesregierung gehe davon aus, dass Griechenland auch nach einem Wahlsieg von Syriza die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber erfülle. Nach einem Bericht des Spiegel halten Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Schäuble ein Ausscheiden des Krisenlandes aus der Euro-Zone aber inzwischen für "verkraftbar".

Ein solches Szenario ist jedoch ohne Vorbild, und es ist in den EU-Verträgen auch nicht vorgesehen. Juristen sind sich einig darüber, dass ein Rauswurf eines Euro-Landes aus der Gemeinschaftswährung rechtlich nicht möglich ist. Theoretisch könnte Griechenland allenfalls selbst einen Austritt erklären. Aber für einen solchen Fall kennt die Euro-Zone bisher keine Regelungen.