Bundeskanzlerin Angela Merkel hält im Schuldenstreit mit Griechenland einen Kompromiss für möglich. "Europa hat es immer ausgezeichnet, Kompromisse zu finden", sagte Merkel vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Dabei müssten Vorteile die Nachteile überwiegen. "Deutschland ist dazu bereit."  

Für die Glaubwürdigkeit Europas sei es aber auch notwendig, Regeln einzuhalten, sagte Merkel weiter. "Noch haben wir ja ein paar Tage Zeit." Sie freue sich auf ihr erstes Treffen mit dem neuen griechischen Regierungschef Alexis Tsipras, fügte Merkel hinzu.

Auch Tsipras gab sich vor dem Treffen optimistisch. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir alle zusammen eine gemeinsam gangbare Lösung finden, um die Wunden der Sparpolitik zu heilen", sagte Tsipras nach seiner Ankunft in Brüssel. 

Zugleich machte er aber auch noch einmal seinen Standpunkt deutlich. Die "humanitäre Krise" in der ganzen EU müsse angegangen werden, forderte Tsipras. Europa müsse "zurück auf den Weg zu Wachstum und sozialem Zusammenhalt" finden.

"Es geht um das griechische Volk"

Skeptischer äußerte sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Ich bin sehr besorgt über die Lage, die eingetreten ist", sagte Juncker. "Es geht hier nicht um die neue griechische Regierung, auch nicht um die alte. Es geht um das griechische Volk." Auf die Frage nach notwendigen Reformen in Griechenland wollte sich Juncker nicht äußern. "Ich verhandele nicht vor laufenden Kameras."

Er habe sich von dem Krisentreffen der Eurogruppe am Vorabend weitergehende Fortschritte gewünscht, begründete Juncker seine Sorge. Das Treffen war ohne Ergebnis auf Montag vertagt worden, nachdem Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis seine Amtskollegen düpiert hatte

Griechenland will einen Teil der von seinen Gläubigern verordneten Spar- und Reformmaßnahmen abbrechen und durch eigene Maßnahmen ersetzen. In seiner ersten Regierungserklärung hatte Tsipras das Euro-Rettungsprogramm für gescheitert erklärt und angekündigt, eigene Wege gehen zu wollen.