Heute treffen sich die Euro-Finanzminister in Brüssel. Die Chancen auf eine Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland werden skeptisch eingeschätzt. EU-Vertretern zufolge telefonierte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Sonntag erneut mit dem neuen griechischen Regierungschef Alexis Tsipras. "Juncker unternimmt einen letzten Versuch in einer extrem schwierigen Situation", sagte ein EU-Diplomat. Griechenland habe aber weiter eine andere Sicht auf die Dinge. Tsipras hatte am Wochenende dem Magazin Stern gesagt, er sei für eine Lösung, "bei der alle nur gewinnen".

Die Süddeutsche Zeitung zitierte einen EU-Diplomaten mit den Worten, die Chancen seien "sehr, sehr gering", bei dem Finanzministertreffen eine Vereinbarung über die weitere finanzielle Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Die griechischen Vertreter hätten am Wochenende keine Daten und Fakten vorgelegt, auf deren Basis konkrete Verhandlungen beginnen könnten.

Die EU-Kommission will eine Vermittlerrolle zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Geldgebern einnehmen. Nach dem Scheitern des Euro-Gruppen-Treffens und den anschließenden Gesprächen auf Arbeitsebene haben die Versuche bislang nicht zum Durchbruch geführt. Tsipras lehnt weite Teile der Reformauflagen, die die Vorgänger-Regierung im Gegenzug für die Rettungskredite der Euroländer und des IWF akzeptiert hatte, wegen zu großer sozialer Härten ab. Zugleich ist er aber auf neue Milliarden angewiesen, weil das Hilfsprogramm Ende Februar ausläuft. Die Gläubiger pochen auf alte Vereinbarungen. Griechenland steht bei der Euro-Gruppe und beim IWF mit 240 Milliarden Euro in der Schuld. Scheitern die Gespräche, droht eine Staatspleite.

Die EZB schließt derweil eine Verlängerung der Notfall-Kredithilfen (ELA) an Griechenland offenbar nicht grundsätzlich aus. EZB-Direktor Peter Praet sagte der portugiesischen Zeitung Jornal de Negócios zwar auf die Frage, ob die ELA-Hilfen für einige Monate verlängert werden könnten, es handele sich um ein nur vorübergehend einsetzbares Instrument. Er fügte aber hinzu: "Wenn es eine systemische Krise gibt, könnte man bei der Laufzeit Flexibilität benötigen."