Die Regierung in Paris hat der neuen griechischen Regierung Unterstützung bei der Suche nach einer Einigung mit den internationalen Partnern zugesagt. Der französische Finanzminister Michel Sapin sagte bei einem Treffen mit seinem griechischen Amtskollegen Yanis Varoufakis, es sei legitim, dass Griechenland wegen der Schuldenlast besorgt sei und sich um eine Erleichterung bemühe. Frankreich sei bereit, dabei zu helfen, die Schuldenlast der Griechen zu mindern.

Einen Schuldenerlass schloss Sapin aber aus. So sei eine spätere Rückzahlung der Schulden möglich, sagte Sapin. Griechenlands Platz sei in der Eurozone. Jede neue Vereinbarung mit der Regierung in Athen müsse berücksichtigen, in welchem Umfang sie zu Strukturreformen bereit sei. Wichtig seien die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und die Rückkehr zu Wachstum.

Der griechische Finanzminister Varoufakis äußerte die Hoffnung, dass bis Ende Mai eine internationale Übereinkunft getroffen werden könne. Bis Ende Februar wolle er einen detaillierten Vorschlag vorbringen. Er betonte, man müsse erst für Wirtschaftswachstum sorgen und dann die Schulden zurückzahlen. Die Rückzahlung müsse an die Fähigkeit gekoppelt werden, wieder Wachstum zu erzielen. 

Zugleich kündigte Varoufakis an, keine neuen Kredite aufnehmen zu wollen. Sein Land sei geradezu süchtig nach Verschuldung geworden, es sei Zeit für einen Entzug. "Wir wurden gewählt, um diese Sucht zu stoppen", sagte der griechische Finanzminister.

Gespräche in Berlin angekündigt

Varoufakis teilte mit, er werde auch mit der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank (EZB) sprechen. Er würde dort gerne bald die Haltung seines Landes bei der Schuldenrückzahlung erklären. Ein Besuch bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sei essentiell, schon wegen der Bedeutung Deutschlands in Europa. Dem Finanzministerium liegt nach eigenen Angaben aber noch keine Besuchsanfrage vor.

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras zeigte sich gegenüber der Nachrichtenseite Bloomberg optimistisch, eine Lösung zu finden. Trotz unterschiedlicher Perspektiven sei er zuversichtlich, bald eine für Europa und Griechenland zufriedenstellende Vereinbarung treffen zu können.

Juncker plant angeblich Ende der Troika

Wie das Handelsblatt berichtet, ist EU-Kommissionspräsident Juncker bereit, die Griechenland-Troika abzuschaffen. Die Dreier-Gruppe aus Vertretern der EZB, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission solle nicht mehr nach Athen reisen. "Wir müssen jetzt schnell eine Alternative dafür finden", hieß es laut Handelsblatt in Kreisen der EU-Kommission. Tsipras stattet dem EU-Kommissionschef am Mittwoch einen Antrittsbesuch ab.

Nach seinem Wahlsieg vor einer Woche hatte Tsipras gesagt, dass seine Regierung nicht mehr mit der Troika zusammenarbeiten werde. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte der Welt am Sonntag, er habe Tsipras "nachdrücklich ans Herz gelegt, verbal abzurüsten".

Griechenland wird seit 2010 von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds mit insgesamt 240 Milliarden Euro unterstützt. EU-Kommission, Internationaler Währungsfonds und Europäische Zentralbank haben ihre Unterstützung an Auflagen gebunden, wie die Privatisierung zahlreicher Staatsbetriebe. Die von der linken Syriza geführte Regierung in Athen lehnt jedoch die Sparauflagen ab. Auch das laufende Rettungsprogramm will sie nicht verlängern.