Die Huthi-Miliz hat im Jemen die Auflösung des Parlaments und die Übernahme der Regierungsgewalt verkündet. Übergangspräsident Abed Rabbo Mansur Hadi werde durch einen fünfköpfigen Präsidentenrat ersetzt, teilten die schiitischen Rebellen auf einer sogenannten Verfassungsdeklaration im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Sanaa mit. Das Parlament soll demnach durch einen provisorischen Nationalrat mit 551 Mitgliedern ersetzt werden. Der Präsidentschaftsrat solle für eine Übergangszeit von zwei Jahren regieren.

Nach der Machtübernahme kam es landesweit zu Protesten, berichtet Al Jazeera. In mehreren Städten, darunter auch in Sanaa, versammelten sich Tausende, um gegen die Huthi-Miliz zu demonstrieren. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden demnach mehrere Menschen festgenommen.

Die aus dem Nordjemen stammenden Huthis hatten im vergangenen September Sanaa und später andere Städte sowie Provinzen unter ihre Kontrolle gebracht und mehr Mitbestimmung in dem mehrheitlich sunnitischen Land gefordert. Am 20. Januar hatten die Milizionäre den Präsidentschaftspalast in der Hauptstadt gewaltsam eingenommen und seitdem ihre Kontrolle über das Land ausgeweitet. Staatschef Rabbo Mansur Hadi trat zwei Tage später zurück, ebenso die gesamte jemenitische Regierung. Seit den Rücktritten herrschte im Jemen ein Machtvakuum.

Mit der Machtergreifung könnte der Konflikt mit sunnitischen Stammesangehörigen und Sezessionisten eskalieren, die für eine Abspaltung des Südens eintreten. Beobachter befürchten unter anderem auch, dass sich Sunniten dem Al-Kaida-Ableger im Jemen anschließen könnten, um die Huthis zu bekämpfen.

Es sei der Beginn "einer neuen Ära, die den Jemen zu sichereren Ufern tragen wird", sagte ein nicht namentlich genannter Sprecher im Fernsehsender der Rebellen. Angaben zu möglichen Neuwahlen machten die Rebellen nicht. Auch das Schicksal von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wurde nicht erwähnt. Er stand zuletzt in seiner Residenz de facto unter Hausarrest.

Machtergreifung nach verstrichenem Ultimatum

Zuletzt waren alle Gespräche zwischen den Rebellen und den politischen Lagern des Landes gescheitert, unter anderem an der Forderung der Huthis nach einer größeren Mitbestimmung in der Regierung. Schließlich stellten die Huthis am Sonntag den Parteien ein dreitägiges Ultimatum, um doch noch eine politische Lösung zu erreichen. Andernfalls würden sie die Macht ergreifen.

Der Jemen ist seit dem Arabischen Frühling 2011 nicht zur Ruhe gekommen. Nach monatelangen Protesten wurde der langjährige Machthaber Ali Abdullah Salih abgesetzt, sein Stellvertreter Hadi folgte ihm nach. Im damaligen Machtvakuum erstarkte die Al-Kaida im Süden, im Norden hingegen wurden die Huthis immer mächtiger. Beobachter werfen dem schiitischen Iran vor, die Rebellen zu unterstützen.

Die USA äußerten sich angesichts der jüngsten Entwicklungen besorgt. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete die Machtübernahme der Rebellen als einseitigen Schritt. Die Anti-Terror-Operationen der USA im Jemen würden trotzdem ununterbrochen weitergehen, sagte er.