In einer ersten Reaktion auf das Krisentreffen in Moskau hat Separatistenführer Denis Puschilin aus Donezk der Nachrichtenagentur Interfax gesagt: "Wir sind immer für Verhandlungen." Die Aufständischen hätten die Hoffnung, dass eine mögliche neue Feuerpause halten könne. Nötig sei dazu ein echter Kontrollmechanismus, sagte Puschilin. Für eine Waffenstillstandslinie müssen aus Sicht der Separatisten auch ihre jüngsten Landgewinne im Kriegsgebiet berücksichtigt werden.

Puschilins Aussagen fielen einige Stunden nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und Russlands Präsident Wladimir Putin. Konkrete Ergebnisse wurden bislang nicht bekannt. Aber das vor fünf Monaten vereinbarte und bislang weitgehend ignorierte Minsker Friedensabkommen soll demnach überarbeitet werden, um den Konflikt in der Ostukraine zu deeskalieren.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte, die Bemühungen seien vorangekommen: "Die Arbeit am Entwerfen des Textes eines möglichen gemeinsamen Dokuments über die Umsetzung des Minsker Abkommens ist derzeit im Gange, der die Vorschläge beinhalten würde, die vom Präsidenten der Ukraine und von Präsident Putin gemacht wurden."

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko äußerte sich optimistisch über die Erfolgsaussichten eines neuen Friedenskonzepts für die Ostukraine. Er hoffe, dass dies zu mehr Sicherheit in Europa führen werde.

Der nie umgesetzte Aktionsplan von Minsk beinhaltet eine Feuerpause zwischen den in der Region Donbass kämpfenden prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen, den Abzug schwerer Waffen von der Frontlinie und die Schaffung einer entmilitarisierten Zone. Außerdem sollen Beobachter zur Kontrolle der Waffenruhe eingesetzt werden.

Waffenruhe ist das erste Ziel

Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko werden am Sonntag in einem Telefonat über ein Ende der Kämpfe in der Ostukraine sprechen. Auch Merkel und Hollande nehmen an der Unterredung teil.

Im Gespräch sind eine Feuerpause mit einer neuen Waffenstillstandslinie sowie Autonomierechte für die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete. Russland fordert zudem direkte Verhandlungen der Separatisten mit Kiew. Poroschenko hat dies bislang abgelehnt.

Eine funktionierende Waffenruhe wäre ein Durchbruch. Seit September wurden vereinbarte Feuerpausen immer wieder gebrochen. Im Januar eskalierten die Kämpfe zwischen prorussischen Rebellen und Regierungstruppen wieder. Bislang starben seit dem Beginn der Kämpfe im April 2014 mehr als 5.300 Menschen.

Merkel und Biden sprechen auf der Sicherheitskonferenz

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg beschrieb die Situation in der Ukraine als "kritisch". Sollte eine Waffenruhe vereinbart werden, müsse beobachtet werden, dass sie von den Separatisten nicht zur Neugruppierung und Aufrüstung genutzt werde, sagte der Norweger am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.

Um 10.30 Uhr wird Bundeskanzlerin Angela Merkel dort eine Rede halten. Auch Poroschenko und US-Vizepräsident Joe Biden sind als Redner in München eingeplant. Zudem ist ein Treffen der drei Politiker geplant. Am Montag fliegt Merkel weiter nach Washington, um mit US-Präsident Barack Obama unter anderem über das Moskauer Treffen und die Situation in der Ukraine zu sprechen.