Der Oppositionsführer Boris Nemzow ist ein weiteres Opfer in einer langen Reihe von Kremlgegnern, die in den vergangenen Jahren unter myteriösen Umständen umgebracht wurden. © Andrey Smirnov/AFP/Getty Images

Mit ihm ist einer der bedeutendsten Regierungsgegner gestorben: Kurz vor seiner Ermordung hatte sich Boris Nemzow ein letztes Mal mit Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin zu Wort gemeldet. Drei Stunden später wurde er in Moskau ermordet.

Nemzow war einer der wichtigsten Oppositionellen in Russland – und nicht der erste Gegner Putins, der seine kritische Haltung gegenüber der Regierungspolitik mit dem Leben bezahlen musste.

Natalja Estemirowa

Natalja Estemirowa © Oxana Onipko/AFP/Getty Images

Die Menschenrechtlerin, Journalistin und Anwältin für die Interessen der Tschetschenen war im Juni 2009 vor ihrem Haus in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny entführt und in einem Waldstück des benachbarten Inguschetien mit mehreren Schüssen hingerichtet worden. Die 50-jährige Aktivistin Estemirowa, Tochter einer Russin und eines Tschetschenen, dokumentierte schwere Menschenrechtsverletzungen wie willkürliche Hinrichtungen und Folter, betreute betroffene Familien und schrieb über ihre Recherchen regelmäßig in der regierungskritischen Zeitung Nowaja Gaseta, für die auch die ermordete Tschetschenien-Reporterin Anna Politkowskaja gearbeitet hatte.

Stanislaw Markelow

Demonstranten gedenken dem ermordeten Oppositionellen Stanislaw Markelow und der gleichzeitig getöteten Journalistin Anastasia Baburowa. © Sergei Karpukhin/Reuters

Der Bürgerrechtler Stanislaw Markelow wurde im Januar 2009 im Zentrum Moskaus auf offener Straße niedergeschossen, mit ihm starb auch die die junge Reporterin Anastasia Baburowa. Markelow hatte sich unter anderem durch seinen Einsatz für zivile Opfer des Tschetschenienkrieges Feinde unter russischen Militärs und Nationalisten gemacht. Einer seiner bedeutendsten Fälle war der Prozess gegen den früheren Oberst Juri Budanow, der als bislang ranghöchster Offizier der russischen Armee wegen eines Verbrechens in Tschetschenien zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Markelow vertrat auch die 2006 ermordete Anna Politkowskaja, nachdem sie im Februar 2002 in Tschetschenien vom russischen Militär verhaftet wurde.

Anna Politkowskaja

Die russische Journalistin war im Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie wurde als Gegenerin Wladimir Putins bekannt und prangerte in ihren Berichten besonders Menschenrechtsverletzungen während des Tschetschenienkriegs an. Wegen des Mordes mussten sich im Juni 2014 drei Brüder aus Tschetschenien, ihr Onkel sowie ein früherer Moskauer Polizeioffizier vor Gericht verantworten. Der Todesschütze und einer seiner Hintermänner sind zu lebenslanger Haft im Straflager verurteilt worden, ein Verdächtiger wurde aus Mangel an Beweisen freigelassen. Wer das Verberechen in Auftrag gegeben hat, ist jedoch bis heute ungeklärt. Die Familie Politkowskajas sowie ihre Kollegen der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta suchen noch immer nach den Hintermännern. 

Alexander Litwinenko

Der ehemalige KGB-Mann war im November 2006 in einem Londoner Hotel mit dem radioaktiven Stoff Polonium 210 vergiftet worden – ein äußerst seltener Giftstoff. Rückstände des Poloniums wurden unter anderem in einer Bar, dem mutmaßlichen Tatort, entdeckt. Kurz bevor er im Krankenhaus starb, sagte Litwinenko, Kreml-Funktionäre und Russlands Präsident Wladimir Putin seien für seinen Tod verantwortlich. Litwinenko war ein Kritiker Putins. Auf einer Pressekonferenz 1998 hatte er ausführlich über Mordkomplotte, Korruption und die Inkompetenz der Armee in Tschetschenien berichtet. Vor seinem Tod soll Litwinenko im Fall der ermordeten Anna Politkowskaja ermittelt haben. Damals lebte er schon in Großbritannien, wo er politisches Asyl beantragt hatte und seit Oktober 2006 auch die britische Staatsbürgerschaft besaß.

Paul Klebnikow

Paul Klebnikow © Oleg Nikishin/Getty Images

Dem Chefredakteur des russischen Forbes-Magazins wurde am 9. Juli 2004 abends in einem Wagen vor dem Redaktionsgebäude im Moskauer Nordosten aufgelauert. Als er auf die Straße trat, verfolgten die Täter ihn mehrere Hundert Meter und feuerten mehrere Kugeln auf ihn ab. Klebnikow hatte seine Tätigkeit bei Forbes erst wenige Monate vor seiner Ermordung angetreten. Der 41-jährige in New York geborene Amerikaner machte gleich zu Beginn auf sich und das Magazin aufmerksam, als er – erstmals in der neueren russischen Geschichte – eine Liste der reichsten Russen veröffentlichte. In seinem Buch Der Pate des Kreml – Boris Beresowski und die Macht der Oligarchen, hatte Klebnikow die Aktivitäten verschiedener russischer Oligarchen nachverfolgt und über deren mysteriösen Aufstieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion informiert.

Sergej Juschenkow

Der frühere russische Informationsminister und Duma-Abgeordnete Sergej Juschenkow wurde im April 2003 in Moskau erschossen, als er im Stadtteil Tuschino im Nordwesten der Stadt vor seinem Haus aus dem Dienstwagen stieg. Juschenkow war Mitglied im Geheimdienstausschuss der Staatsduma und kritisierte den Tschetschenienkrieg und die KGB-Nachfolgeorganisation FSB besonders scharf. Im Jahr 2002 veröffentlichte er zusammen mit seiner Partei einen Film, worin dem FSB eine Verwicklung in eine Serie von Bombenanschlägen in Moskau vorgeworfen wird. Bei den Anschlägen starben 300 Moskauer.