Der internationale Rechercheverband ICIJ hat erneut Daten zur Steuerhinterziehung veröffentlicht und diesmal den Schweizer Ableger der britischen Großbank HSBC ins Visier genommen. Über die Swissleaks berichteten unter anderen die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR sowie die französische Le Monde, der britische Guardian und die BBC. Demnach half der Schweizer HSBC-Ableger zahlreichen internationalen Persönlichkeiten und Politikern dabei, mehrere Millionen Euro vor dem Fiskus zu verstecken.

Wie das Recherchenetzwerk mitteilte, legten internationale Kunden bei der Bank Milliardenbeträge an, davon offenbar viel als Schwarzgeld. Den ausgewerteten Kontendaten zufolge lagerten 2007 dort mehr als 75 Milliarden Euro. In den Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

HSBC habe unter anderem von "Geschäften mit Waffenhändlern profitiert", die Mörserbomben an Kindersoldaten in Afrika geschickt hätten, schrieb das Netzwerk. Andere kriminelle Partner seien "Schmuggler von Blutdiamanten" und Terrorismus-Finanziers gewesen.

Amtierende und frühere Politiker unter den Beteiligten

Die Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Andere Länder, darunter auch Deutschland, bekamen Unterlagen, um ebenfalls zu ermitteln. Zugriff auf die Daten hatte auch die französische Zeitung Le Monde, die sie wiederum dem Recherchenetzwerk zur Verfügung stellte.

Involviert in die dubiosen Geschäfte ist den Enthüllungen zufolge auch eine Reihe von amtierenden und früheren Politikern aus Großbritannien, Russland, Indien und aus afrikanischen Ländern sowie von Königshäusern arabischer Staaten. Zu ihnen gehören den Angaben zufolge unter anderem ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.

HSBC räumt "Kontrollversagen" ein

Die HSBC räumte dem Netzwerk zufolge ein, dass sie "verantwortlich" sei für das "Kontrollversagen in der Vergangenheit". Die Schweizer HSBC habe "zu viele Hochrisiko-Konten" geführt. Die Bank verweist demnach zudem darauf, dass sie sich mittlerweile von allen steuerlich problematischen Kunden getrennt habe.

Das IJIC hatte Ende vergangenen Jahres bereits mit der Luxleaks-Affäre für Aufsehen gesorgt. Das Netzwerk berichtete dabei detailliert über Hunderte Fälle, in denen multinationale Konzerne in Luxemburg Steuerzahlungen vermeiden und auf Kosten anderer EU-Länder teils Milliarden sparen.