Die Regierungskoalition aus Union und SPD zeigt sich alarmiert über Berichte, wonach die USA Waffenlieferungen an die Ukraine erwägen zur Unterstützung der Regierung im Kampf gegen prorussische Separatisten. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, sagte: "Waffenlieferungen der USA an die Ukraine wären ein gefährlicher Schritt, der schnell eine weitere Eskalation nach sich ziehen könnte."

Der Konflikt sei militärisch nicht zu lösen, sagte Annen. Die ukrainische Führung habe dies mit ihrer gescheiterten Offensive bereits einmal schmerzvoll erfahren müssen. "Der Verhandlungsweg ist mühsam, aber richtig", sagte Annen. "Daran sollten wir gemeinsam mit den USA festhalten." 

Die New York Times hatte unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtet, US-Außenminister John Kerry und US-Generalstabschef Martin Dempsey seien bereit, über Waffenlieferungen in die Ukraine zu sprechen. Auch die Sicherheitsberaterin von Präsident Barack Obama, Susan Rice, erwäge, ihren Widerstand gegen die Bereitstellung von Waffen aufzugeben. Am Montag werde ein unabhängiger Bericht der Regierung in Washington empfehlen, der Ukraine unter anderem Schutzwaffen, Spähdrohnen und Panzerabwehrraketen im Wert von drei Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. 

Nach dem erneuten Scheitern von Friedensgesprächen im weißrussischen Minsk gingen auch am heutigen Montag die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Vor allem die strategisch wichtige Stadt Debalzewe, über die die einzige Bahnstrecke zwischen Donezk und Luhansk führt, ist stark umkämpft. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew sind dort seit Sonntag fünf Regierungssoldaten getötet und 29 verwundet worden. Inzwischen sei Debalzewe vollständig von den Separatisten umzingelt, sagte Verteidigungsministeriumssprecher Wladislaw Selesnjow. 

Russen rechnen mit weiterer Eskalation

Separatistenführer Alexander Sachartschenko kündigte eine Mobilmachung im Donbass an. In der kommenden Woche sollen 100.000 neue Kämpfer bewaffnet werden, sagte er in Donezk. Die Separatisten hatten vergangene Woche erklärt, sie wollten ihre Offensive in den Regionen Donezk und Luhansk ausweiten. Ein Großteil des Gebiets wird bis jetzt von Kiew kontrolliert.

Auch die Ukraine hat damit begonnen, Reservisten mobil zu machen. Bis zu 100.000 Ukrainer sollen im Laufe der kommenden Monate an die Front geschickt werden. In Russland befürchten einer Umfrage zufolge immer mehr Menschen eine weitere Eskalation des Konflikts. Die Zahl derer, die einen offenen Krieg zwischen Russland und der Ukraine für "ziemlich wahrscheinlich" halten, sei innerhalb von drei Monaten von 17 auf 26 Prozent gestiegen, teilte das staatliche Meinungsforschungsinstitut Wziom mit. Zehn Prozent der etwa 1.600 Befragten sagten gar, in ihren Augen sei ein solcher Bruderkrieg bereits im Gange.