Die USA könnten die Ukraine möglicherweise doch mit Waffenlieferungen unterstützen. US-Außenminister John Kerry und US-Generalstabschef Martin Dempsey seien bereit, darüber zu sprechen, berichtete die New York Times unter Berufung auf Regierungsvertreter. Auch die Sicherheitsberaterin von Präsident Barack Obama, Susan Rice, erwägt demnach, ihren Widerstand gegen die Bereitstellung von Waffen aufzugeben.

Am heutigen Montag wird laut New York Times ein unabhängiger Bericht vorgestellt, der von ehemaligen ranghohen Pentagon-Mitarbeitern erstellt wurde. Darin werden sie der Regierung in Washington empfehlen, unter anderem Schutzwaffen, Spähdrohnen und Panzerabwehrraketen im Wert von drei Milliarden Dollar für die Ukraine zur Verfügung zu stellen. 

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Bernadette Meehan, sagte der Zeitung, der Fokus liege weiterhin auf einer "diplomatischen Lösung". Gleichwohl würden regelmäßig auch andere Optionen geprüft. Bislang unterstützt die Regierung in Washington die ukrainische Armee mit sogenanntem nicht-tödlichen Material wie Panzerausrüstung, medizinischer Hilfe und technischen Suchgeräten.

Minsk-Gespräche erneut gescheitert

Auch am Wochenende lieferten sich ukrainische Regierungstruppen und Rebellen im Osten des Landes heftige Gefechte. Militärsprecher Wolodimir Poljowi sagte: "Die Kämpfe dauern an allen Frontabschnitten an." Binnen 24 Stunden seien 13 Soldaten getötet worden. Anderen ukrainischen Behörden zufolge kamen auch mindestens 13 Zivilisten ums Leben. Besonders heftig seien die Kämpfe in der Nähe der nordöstlich von Donezk gelegenen Stadt Debaltsewe, sagte Poljowi. Dort habe die Armee aber weiter die Kontrolle über einen Verkehrsknotenpunkt, der die von Separatisten kontrollierten Städte Donezk und Luhansk verbindet. In Debaltsewe gibt es seit Tagen weder Strom- noch Wasserversorgung. In Donezk selbst war den ganzen Sonntag über Artilleriefeuer zu hören.

Hoffnungen auf einen Waffenstillstand hatten sich zuvor zerschlagen. Das Treffen der Kontaktgruppe – zu der neben den Vertretern der ukrainischen Regierung und der Separatisten auch Gesandte Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gehören – wurde am Samstagabend nach nur vier Stunden in der weißrussischen Hauptstadt Minsk abgebrochen. Die OSZE warf den Separatisten vor, sich geweigert zu haben, wichtige Elemente eines Friedensplans wie etwa eine rasche Waffenruhe oder den Abzug schwerer Waffen zu diskutieren. Stattdessen hätten sie eine Revision der Waffenstillstandsvereinbarung vom September verlangt. Der Vertreter der Separatisten, Denis Puschilin, widersprach dieser Darstellung. Sie seien bereit zu einem Dialog, sagte er der russischen Nachrichtenagentur RIA. Sie seien aber nicht bereit zu "Ultimaten aus Kiew, während ihre Streitkräfte weiterhin das Hinterland der Städte im Donbass angreifen".

Kerry reist zu Gesprächen nach Kiew

Bundeskanzlerin Angela Merkel beriet telefonisch mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem französischen Präsidenten François Hollande über die Lage. Die Gesprächspartner hätten die Dringlichkeit einer raschen Fortsetzung des in Minsk begonnenen Austauschs betont, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Separatisten seien aufgefordert, die Gespräche nicht zu blockieren. Russland müsse in diesem Sinne auf die Separatisten einwirken.

Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, die Rebellen zu unterstützen. Russland weist dies zurück. Wegen der Krise in der Ukraine hat die Europäische Union ihre Sanktionen gegen Russland verlängert. Am Donnerstag wird außerdem US-Außenminister John Kerry in Kiew erwartet.