Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat das geplante Atomabkommen mit dem Iran scharf kritisiert. "Das gefährliche Abkommen, das derzeit in Lausanne verhandelt wird, bestätigt alle unsere Befürchtungen und übertrifft sie sogar noch", sagte Netanjahu in Jerusalem.

Israel sieht sich durch die befürchtete Entwicklung iranischer Atomwaffen besonders bedroht. Anders als die Großmächte, die mit dem Iran über eine ausschließlich friedliche Nutzung der Kernenergie verhandeln, will Netanjahu der Regierung in Teheran keinerlei Kapazitäten zur Urananreicherung zugestehen.

Israels Ministerpräsident warnte zudem, der Iran bedrohe mit der Entwicklung von Nuklearwaffen nicht nur zukünftig die ganze Welt, sondern wolle aktuell über seine Verbündeten in Damaskus, Beirut, Bagdad und dem Jemen den ganzen Nahen und Mittleren Osten erobern.

Schutz vor Atomwaffen gegen Aufhebung der Sanktionen

Die 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland bemüht sich seit Jahren um eine Einigung mit dem Iran. Ziel ist es, dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnologie zu erlauben, ihm aber die Möglichkeit zu nehmen, Atomwaffen zu entwickeln. Der Regierung in Teheran geht es vor allem um ein Ende der internationalen Sanktionen, die die Wirtschaft des Landes lähmen. Bis Dienstag soll eine politische Grundsatzvereinbarung stehen, bis Ende Juni ein vollständiges Abkommen samt technischen Einzelheiten.

Im schweizerischen Verhandlungsort Lausanne halten sich zurzeit die Außenminister John Kerry (USA), Wang Yi (China), Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Laurent Fabius (Frankreich) sowie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini auf. Die Außenminister Großbritanniens und Russlands, Philip Hammond und Sergej Lawrow, wurden ebenfalls erwartet.

Für den Iran verhandelt Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Alle Beteiligten verweisen immer wieder auf Fortschritte. Ob eine Einigung zustande kommt, ist aber unklar.