Die Nachbarländer Nigerias haben auf den Treueschwur der nigerianischen Islamistenmiliz Boko Haram gegenüber dem "Islamischen Staat" reagiert. Soldaten aus dem Niger und dem Tschad starteten eine gemeinsame Offensive gegen Boko Haram.

Wie aus Regierungskreisen in der nigrischen Hauptstadt Niamey verlautete, rückten die Soldaten aus den südnigrischen Grenzregionen Bosso und Diffa nach Nigeria vor, um an einer neuen Front gegen die Islamistengruppe zu kämpfen. Soldaten aus dem Tschad kämpfen bereits seit Ende Januar von Kamerun aus gegen Boko Haram. In Diffa waren in den vergangenen Wochen mehrere Tausend Soldaten zusammengezogen worden. Boko Haram verübt mittlerweile auch in Nigerias Nachbarstaaten Niger und Kamerun Anschläge.

Wie der Radiosender Anfani aus Diffa berichtete, fuhren am Sonntag mehr als 200 Fahrzeuge zur nigerianischen Grenze, darunter Panzer, Lastwagen und Krankenwagen. Kampfflugzeuge hätten bereits am Samstag und am frühen Sonntagmorgen Stellungen der Boko-Haram-Kämpfer bombardiert.

Boko Haram kämpft seit 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Dabei tötete die Miliz mindestens 13.000 Menschen. Auch Kamerun entsandte Truppen nach Nigeria, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Erst am Samstag hatte die Armee Siege über die Extremisten in den Städten Buni Yadi und Buni Gari im Bundesstaat Yobe vermeldet.

Fast täglich Anschläge in Nordnigeria

Gleichzeitig starben jedoch bei Bombenanschlägen in der nordnigerianischen Millionenstadt Maiduguri mindestens 47 Menschen. Eine andere Quelle spricht von 58 Toten und 139 Verletzten. Hinter dem Anschlag wird Boko Haram vermutet. Im Norden Nigerias werden beinahe täglich Anschläge verübt, die meisten mutmaßlich von Boko Haram.

Am Samstag war über das Twitter-Konto von Boko Haram eine Botschaft verbreitet worden, wonach die Extremistengruppe dem IS seine Gefolgschaft zusicherte. "Wir versprechen unsere Gefolgschaft und werden in schwierigen sowie in guten Zeiten Gehorsam üben", soll Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einer Audiobotschaft mitgeteilt haben, die an den selbst ernannten Kalifen des IS, Abu Bakr al-Bagdadi, adressiert war.

Als Motiv für den Treueeid vermuten Experten den militärischen Druck, unter den Boko Haram in jüngster Zeit durch die militärische Zusammenarbeit von Nigeria und seinen Nachbarstaaten im Kampf gegen die Terrormiliz geriet.