Im Korruptionsskandal um die staatliche Ölgesellschaft Petrobras will Brasiliens Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot Ermittlungen gegen 54 Personen einleiten, darunter überwiegend Spitzenpolitiker. Das teilte das Büro Janots mit. Die Namen der Verdächtigen sollen aber zunächst unter Verschluss bleiben.

Die größten Baufirmen und Ingenieurbüros des Landes sollen fast ein Jahrzehnt lang Schmiergeld für Aufträge von Petrobras gezahlt haben. Insgesamt sollen mehr als 800 Millionen Dollar als Bestechungsgeld geflossen sein, ein Teil davon als Wahlkampfspenden für die regierende Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff.

Die Staatschefin bestreitet eine persönliche Verwicklung in den Korruptionsskandal; bisher ist nicht bekannt, dass die Ermittlungen sich gegen sie selbst richten. Doch Kritiker glauben, dass sie von den Schmiergeldern wusste. Rousseff war von 2003 bis 2010 Verwaltungsratsvorsitzende von Petrobras. In diese Zeit fallen viele der Korruptionsvorwürfe. Seit die brasilianische Präsidentin im Herbst ihre zweite Amtszeit begonnen hat, sind ihre Beliebtheitswerte gesunken. Forderungen nach einem Amtsenthebungsverfahren wurden laut.    

"Wir sind erst am Anfang"

Medienberichten zufolge dürften die meisten Politiker der regierenden Arbeiterpartei auf der Verdächtigenliste stehen, ebenso die Präsidenten des Senats und des Abgeordnetenhauses, ihre Partei PMDB ist der größte Koalitionspartner der Arbeiterpartei.

Die Petrobras-Affäre gilt als größter Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. "Jene, die zahlen müssen, werden zahlen", erklärte Generalstaatsanwalt Janot vor Anhängern vor seinem Büro. "Wir werden ermitteln. Das wird ein langer Prozess, und wir sind erst am Anfang."

Ermittlungen gegen Kongressabgeordnete oder andere politische Amtsträger müssen nach brasilianischem Recht erst vom Obersten Gerichtshof gebilligt werden. Die höchste juristische Instanz des Landes ist dann zuständig für alle künftigen Anklagen oder Prozesse. Eine Sprecherin des Obersten Gerichtshofs bestätigte, dass Richter Teori Zawascki den Antrag des Generalstaatsanwalts erhalten habe. Wann und ob die Ermittlungen genehmigt werden, wurde nicht mitgeteilt.

Anfang Februar waren Petrobras-Chefin Maria das Graças Foster und fünf weitere Spitzenmanager des Ölkonzerns wegen des Korruptionsskandals zurückgetreten.