Bei der zweiten Runde der Départementswahlen in Frankreich hat die regierende Parti socialiste (PS) von Staatschef François Hollande eine schwere Niederlage erlitten. Großer Gewinner der Wahl ist erneut das konservativ-bürgerliche Lager um Nicolas Sarkozys UMP, die in der ersten Wahlrunde vor einer Woche klar stärkste Partei wurde. Der rechtsextreme Front National (FN) um Marine Le Pen gewann zwar Stimmen hinzu, erreichte aber in keinem Département die Mehrheit.

Das Lager aus Sarkozys UMP und der Zentrumspartei UDI hat dem Endergebnis des Innenministeriums zufolge in 66 der 101 Départements die Mehrheit der Stimmen erhalten. Die Sozialisten waren gemeinsam mit anderen linken Parteien demnach nur in 33 Départements, die den Landkreisen in Deutschland vergleichbar sind, erfolgreich. Bislang hatte das rechte Lager in nur 40 Départements eine Mehrheit, das linke Lager in 61. Unter anderem entrissen die Konservativen den Sozialisten das Département Corrèze, in dem Hollandes Wahlkreis liegt.

Premierminister Manuel Valls hat die Niederlage seiner Partei eingeräumt. Die zersplitterte Linke habe einen Rückschlag erlitten, sagte Valls nach Schließung der Wahllokale. Valls kündigte an, die Regierung werde ihre Arbeit und die Reformen für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes fortsetzen. Die Regierung werde dabei ihren Einsatz für mehr Arbeitsplätze verstärken.

Als Nachteil für die Sozialisten gilt die niedrige Wahlbeteiligung. Nach Berechnungen blieb auch beim zweiten Wahlgang wie schon eine Woche zuvor erneut jeder zweite Wahlberechtigte der Abstimmung fern.

Rechtsextremisten bleiben ohne Mehrheit

Der UMP-Chef Nicolas Sarkozy trat am Sonntagabend triumphierend vor die Kameras. "Noch nie hat unsere politische Familie so viele Départements gewonnen", sagte Sarkozy. Zugleich habe nie zuvor das Regierungslager so viele Départements verloren. Die Missbilligung der Franzosen gegenüber der Regierung sei beispiellos, die Wähler hätten die Lügen der Sozialisten bestraft. 

Der Front National hatte auf die Mehrheit in ein bis zwei Départements gehofft, hat diese jedoch offenbar, trotz anderslautender Nachwahlschätzungen vom früheren Abend, verfehlt. Es sei sicher, dass seine Partei kein Département gewonnen habe, sagte Parteivize Florian Philippot. Parteichefin Marine Le Pen sagte Le Monde, sie habe ohnehin nicht mit einem Sieg gerechnet. Die Stimmenzugewinne ihrer fremdenfeindlichen Partei bezeichnete sie als "Fundament für die großen Siege von morgen". Der Front National hatte bei der ersten Runde der Départementswahlen vor einer Woche mit knapp über 25 Prozent sein bestes Ergebnis bei einem landesweiten Urnengang erzielt und lag deutlich vor den Sozialisten von Staatschef François Hollande.

Hollande verliert den Stimmungstest gegen Sarkozy

Zur zweiten Wahlrunde aufgerufen waren am Sonntag rund 42 Millionen Franzosen. Der Urnengang hat vor allem eine symbolische Bedeutung, denn der politische Einfluss der Départementräte ist begrenzt. Die Wahlen gelten aber als wichtiger Stimmungstest – und werden von vielen Bürgern genutzt, um der Regierung einen Denkzettel zu verpassen. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit sind viele Franzosen höchst unzufrieden mit Hollande und seiner Regierung.

Für Sarkozy ist der Sieg vom Sonntag besonders wichtig. Denn er hatte bislang große Mühe, sich als unumstrittener Oppositionsführer durchzusetzen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Sarkozy, von 2007 bis 2012 Frankreichs Staatschef, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 den Elysée-Palast zurückerobern will. "Der Machtwechsel ist im Gange, und nichts wird ihn aufhalten", sagte Sarkozy.

Erstmals traten bei den Départementswahlen immer eine Frau und ein Mann als Kandidaten-Duo an. So soll eine Frauenquote von 50 Prozent in den Départementsräten gesichert werden. In den meisten Gegenden konnte bis 18 Uhr abgestimmt werden, manche Wahlbüros waren auch bis 20 Uhr geöffnet.