Auch die deutsche Schule in Athen könnte von einer möglichen Pfändung betroffen sein. © Alexander Hassenstein/Getty Images

Der griechische Justizminister Nikos Paraskevopoulos hat damit gedroht, deutsche Immobilien pfänden zu lassen. Sollte es zwischen seiner Regierung und der in Berlin keine Einigung über die griechischen Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg kommen, dann sei ein solcher Schritt möglich, sagte er im griechischen Fernsehen. Die endgültige Entscheidung werde jedoch das Kabinett unter Premier Alexis Tsipras treffen.

Das griechische Parlament prüft derzeit erneut mögliche Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg, die Deutschland begleichen müsste. Für diese Debatte berief das Parlament einen Ausschuss aller Parteien ein, wie das griechische Parlamentspräsidium mitteilte. Die eventuellen Reparationsforderungen belasten die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten. Die Bundesregierung betrachtet die Entschädigungsfrage als erledigt.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte, ein Reparationsabkommen mit Deutschland aus dem Jahr 1960 habe zentrale Forderungen der Griechen nicht abgedeckt. Dazu gehören demnach Zahlungen für zerstörte Infrastruktur und Kriegsverbrechen sowie die Rückgabe eines Darlehens, das vom besetzten Griechenland erzwungen wurde.   

"Juristische Tricks"

Zahlreiche Zivilisten wurden im Zweiten Weltkrieg getötet. Außerdem musste die griechische Zentralbank 1942 eine Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark an das Dritte Reich ausgeben. Das Geld wurde nie zurückbezahlt.

"Damit ehren wir alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nazismus (...) sowie des griechischen Widerstandes", sagte Tsipras vor dem griechischen Parlament. "Wir vergessen nicht, dass das deutsche Volk auch unter den Nazis gelitten hat." Tsipras erinnerte daran, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu Recht mit einem Schuldenschnitt geholfen wurde, den Finanzhaushalt zu stabilisieren. Seitdem helfen sich die deutschen Regierungen mit "juristischen Tricks", um nicht mit Griechenland über Reparationen zu reden, sagte er.

Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine erste griechische Studie. Auf der Grundlage dieser Untersuchung prüft der oberste Gerichtshof in Griechenland derzeit, inwiefern Deutschland zu Reparationszahlungen aufgefordert werden könnte. Die Studie liegt bereits seit Anfang März 2013 vor und wird als streng geheim eingestuft. Die Athener Zeitung To Vima hatte das Dokument jedoch am vergangenen Sonntag veröffentlicht. Die Gesamtforderungen werden darin in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert. 

Die Bundesregierung sieht für eine Zahlung keine Grundlage. Die Schulden seien eine klassische Reparationsforderung, weil es sich um "Schadensersatz in finanzieller oder materieller Form" handele, die "von einem besiegten Land für Kriegsschäden" gefordert werde, schrieb sie schon im vergangenen Jahr in einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion.