Es geschah irgendwann im Frühjahr 2008, der Vorwahlkampf war noch nicht entschieden, erbittert kämpften Barack Obama und Hillary Clinton weiter um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Demokratischen Partei. Da raunte mir ein Wahlkampfmanager der gegnerischen Republikaner süffisant lächelnd zu, er hoffe unbedingt auf einen Sieg Clintons, denn seine Schubladen seien voll mit schmutzigen Geschichten über die ehemalige First Lady und ihren Mann.

Es scheint, als wolle sich Hillary Clinton heute, sieben Jahre später, noch einmal um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerben. Doch ihre Gegner müssen die Schublade mit alten Geschichten gar nicht öffnen, denn Clinton sorgt von allein für neuen Nachschub.

Wie bekannt wurde, hat sie in ihrer Zeit als Außenministerin (2009-2013) für sämtliche E-Mails ihre private E-Mail-Adresse und ihren privaten E-Mail-Server benutzt. Darüber schickte sie nicht nur ihre privaten, sondern auch ihre dienstlichen E-Mails. Rund 63.000 Mal klickte sie in diesen Jahren auf send. Schlimmer noch: Die Hälfte dieser Mails, etwa 32.000, hat Clinton eigenmächtig gelöscht, weil sie angeblich privater Natur gewesen seien und darum die Öffentlichkeit nichts angingen. Entschieden haben das Clinton und ihre Anwälte, nachdem das Außenministerium auf Druck eines Untersuchungsausschusses um Herausgabe der E-Mails bat. 

Clinton setzte keine unabhängigen Experten ein, um Privates von Amtlichem zu trennen. Ihre Anwälte speisten bestimmte Suchbegriffe ins System ein, mit deren Hilfe sodann festgelegt wurde, welche E-Mails aufbewahrt und welche vernichtet werden konnten. Das Ergebnis: Nur 30.490 E-Mails, insgesamt 55.000 Seiten, leitete Clinton an das Ministerium weiter. Der Rest wurde getilgt.

Clinton rechtfertigt die Nutzung ihrer privaten E-Mail-Adresse für amtliche Mitteilungen lapidar damit, dass sie damals keine zwei Handys habe mitschleppen wollen und es für sie so weit bequemer gewesen sei. Außerdem behauptet sie, ihre amtlichen Mitteilungen jeweils an Staatsbedienstete mit der E-Mail-Anschrift @state.gov adressiert zu haben. Dort müssten ihre Botschaften noch immer gespeichert sein.

Doch das stimmt leider nicht. Wie die Sprecherin des Außenministeriums eingestand, hat ihre Behörde die Speicherung und Archivierung von E-Mails bislang noch nicht verbindlich geregelt. Dabei hatte Präsident Obama unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 alle Minister und Ministerien angewiesen, so transparent wie möglich zu arbeiten und dem Freedom of Information Act (FOIA) von 1966 in vollem Umfang Folge zu leisten. Nach diesem Gesetz hat jedermann das Recht, Zugang zu Dokumenten der amerikanischen Regierung zu verlangen. Ergo: Die Exekutive ist umgekehrt verpflichtet, ihre Dokumente so aufzubewahren und zu archivieren, dass jedermann Einblick erhalten kann.   

Was steht in den verschwundenen 32.000 E-Mails?

Doch Hillary Clinton schien der Präsidentenwunsch nicht sonderlich zu scheren. Auch wenn ihr mangels klarer und verbindlicher Regeln im Außenministerium daraus wohl rechtlich kein Strick gedreht werden kann: Es ist eher unwahrscheinlich, dass die eigenmächtig vernichteten Mitteilungen wiederhergestellt werden können. Deshalb wird wohl auf immer im Dunkeln bleiben, ob diese 32.000 verschwundenen E-Mails wirklich rein privater Natur waren, oder ob sie nicht doch auch wertvolle Informationen und Details über amtliche Vorgänge enthielten.

Ob zurecht oder nicht – es wird an Clinton der Verdacht haften bleiben, dass sie etwas verbergen wollte. Und damit bestärkt sie jetzt, da sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach zum zweiten Mal ums Weiße Haus bewerben wird, aufs Neue die weit verbreitete Meinung, dass man den Clintons nie ganz über den Weg trauen könne.

Halbwahrheiten, Heimlichtuereien und Vertuschungen pflastern ihre politischen Karrieren. Das war schon so, als Bill Clinton nur Gouverneur des Südstaats Arkansas war und seine Frau in Little Rock als Anwältin arbeitete. Das setzte sich fort, als sie 1993 ins Weiße Haus einzogen, und hörte auch danach nicht auf. Wie das Time Magazine schreibt, waren beide Clinton stets von Idealismus und Ehrgeiz getrieben, doch standen ihnen Sex- und Geldgier immer wieder im Weg. Whitewater, Filegate, Troopergate, Lincoln-Bett, Paula Jones und Monica Lewinsky, diese Namen stehen für eine jahrzehntelange Skandalgeschichte, die sie nicht mehr loswerden.

Und nun E-Mail-Gate? Auch diese neueste Affäre wird Hillary Clinton wohl nicht davon abhalten, es noch einmal zu versuchen. Sie will Amerikas erste Präsidentin werden und aus ihrer Sicht hat sie schon schlimmere Affären überstanden und abgeschüttelt. Doch die Frage wird sein, ob ihr die Wähler noch trauen können und wollen.

Hillary Clinton ist klug und hätte durchaus das Zeug zur 45. Präsidentin. Wäre da nicht...

Noch liegt sie in allem Umfragen weit vorn. Doch gut möglich, dass die Amerikaner der Clintons und ihrer unendlichen Skandalgeschichten allmählich überdrüssig werden. Schließlich soll es bei der Wahl am 4. November 2016 um die Zukunft Amerikas gehen.