US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Zarif bei den Atomverhandlungen im Januar. © Rick Wilking / Reuters

In einem sind alle Seiten einig: Eine nochmalige Verlängerung der Atomgespräche wird es nicht geben. Entweder es gelingt bis zum 31. März ein Kompromiss zwischen dem Iran und der 5-plus 1-Gruppe des UN-Sicherheitsrates. Oder der bisher ernsthafteste Versuch, eines der heikelsten Probleme der internationalen Diplomatie zu entschärfen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern. 

US-Außenminister John Kerry reiste bereits am Wochenende erneut nach Genf, um am Montag mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif zu sprechen, während Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zu seiner umstrittenen Kongressrede nach Washington eilte. In der Substanz gab es in den letzten Wochen offenbar weitere Annäherungen, auch wenn die Hürden vor einem Abkommen immer noch hoch sind.

Aus amerikanischen Diplomatenkreisen wurden Konturen einer möglichen Einigung gestreut. Danach ist die 5-plus-1-Gruppe bereit, eine eigene iranische Urananreicherung unter bestimmten Bedingungen zu akzeptieren. Teheran muss sich verpflichten, die unter 15 Meter Fels liegende kleinere Anlage in Fordo stillzulegen und künftig nur noch den bestehenden, oberirdischen Betrieb in Natanz zu nutzen. Seine Uranvorräte, die Zahl der 19.000 Zentrifugen sowie den Grad der Anreicherung soll die Islamische Republik so stark reduzieren, dass der technische Weg bis zu einer Atombombe mindestens ein Jahr in Anspruch nimmt. 

Abkommen soll für zehn Jahre gelten

Zudem soll der Schwerwasserreaktor in Arak so umgebaut werden, dass er praktisch kein Plutonium mehr erzeugen kann. Denn mit Plutonium lässt sich genauso wie mit hochangereichertem Uran eine Atombombe herstellen. Obendrein muss sich die Islamische Republik verpflichten, unangekündigte Inspektionen der Wiener Atomkontrollbehörde IAEO zu akzeptieren, wie sie das IAEO-Zusatzprotokoll von 2010 vorsieht.

Als Laufzeit dieses rigiden Kontrollregimes sind zehn Jahre im Gespräch, danach kann ein Teil der Einschränkungen schrittweise gelockert werden. Die westlichen Unterhändler gehen davon aus, dass in diesem Zeitraum die gesamte Gründergeneration der Islamischen Republik aus der aktiven Politik ausgeschieden sein wird. Ihre jüngeren Nachfolger dagegen könnten, so das strategische Kalkül, das Atomthema nicht mehr länger als Kernfrage des iranischen Nationalstolzes einstufen.

Iran fehlt wegen des Ölpreisverfalls Geld

Doch noch ist im Iran der Streit um den künftigen Kurs gegenüber den USA und dem Westen in vollem Gange. Hardliner in Parlament und bei den Revolutionären Garden, die an den westlichen Sanktionen kräftig verdienen, lehnen jegliche Kompromisse ab. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Nation, weil der Ölpreis in den vergangenen sechs Monaten um fast die Hälfte auf rund 60 Dollar pro Barrel gefallen ist. In Irans Staatshaushalt, der auf der Basis von 130 Dollar pro Barrel kalkuliert ist, klaffen daher riesige Löcher. Sämtliche Devisenrücklagen sind unter Mahmud Ahmadinedschad, dem Vorgänger des im Sommer 2013 gewählten Hassan Ruhani, in dunklen Kanälen verschwunden. Etwa 100 Milliarden Dollar Öleinnahmen liegen eingefroren im Ausland.

"Unsere politische Erfahrung zeigt, dass unser Land kein kontinuierliches Wirtschaftswachstum aufbauen kann, wenn es isoliert ist", warb der moderate Präsident kürzlich wieder für einen grundlegenden Kurswechsel der bisherigen Außenpolitik. Gleichzeitig brachte er ein Referendum über einen möglichen Atomvertrag ins Spiel, um den Hardlinern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn nach einer repräsentativen Gallup-Telefonumfrage vom letzten November hoffen 70 Prozent der 78 Millionen Iraner auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen.

"Unsere Ideale sind nicht an Zentrifugen gekoppelt, unsere Ideale sind verbunden mit unseren Herzen, unseren Köpfen und unserer Hingabe", sagte Ruhani. Der Kommandeur der mächtigen Basidsch-Milizen, Mohammad Reza Naqdi, konterte sofort. Die Ideale der Islamischen Republik seien "die Beseitigung der Tyrannen, des Weißen Hauses und der Zionisten", polterte der General und schalt den eigenen Präsidenten einen "falschen Revolutionär".