Israels Premier Benjamin Netanjahu © Ronen Zvulun/Reuters

In einem dramatischen Appell hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rechtsorientierte Wähler zur Rettung seiner Machtbasis aufgerufen. "Die Herrschaft der Likud-Partei ist in Gefahr", schrieb Netanjahu am Tag der vorgezogenen Parlamentswahl auf seiner Facebook-Seite. "Arabische Wähler gehen in Massen in die Wahllokale, linksorientierte Organisationen bringen sie in Bussen dorthin."

Laut der Zeitung Haaretz gibt es tatsächlich Anzeichen für einen Anstieg der arabischen Wähler. Beobachter sprechen demnach von langen Schlangen vor den Wahllokalen in einigen arabisch geprägten Dörfern und Stadtteilen. Eine offizielle Bestätigung einer höheren Wahlbeteiligung der arabischen Bevölkerung gibt es aber nicht.

Der 65-jährige Ministerpräsident hatte erst am Vortag eine Kehrtwende in seiner Palästinenser-Politik vollzogen und das Ziel aufgegeben, eine Zwei-Staaten-Lösung herbeizuführen. Auch damit will er offenbar die Unterstützung ultrarechter Wähler gewinnen.

Netanjahu befürchtet eine Niederlage und einen Vorsprung des Mitte-Links-Bündnisses von Izchak Herzog bei der Wahl. In den letzten Umfragen liegen der Premier und seine Likud-Partei knapp hinter der gemäßigten Zionistischen Union des Chefs der Arbeitspartei, die demnach mit einem Vorsprung von drei bis vier Sitzen im Parlament rechnen kann. Herzog war ein Wahlbündnis mit der liberalen Partei von Ex-Außenministerin Zipi Livni eingegangen.

Erste Prognosen für 21 Uhr erwartet

Etwa 5,9 Millionen Israelis, darunter rund 900.000 arabische Israelis, sind aufgerufen, das aus 120 Mitgliedern bestehende Parlament, die Knesset, zu bestimmen. Die Bürger votieren für Parteilisten, nicht einzelne Kandidaten. Im Rennen sind 25 Parteien. Das neue arabische Parteienbündnis könnte laut Umfragen drittstärkste Kraft werden.

Die Wahlbeteiligung lag laut der Zeitung Haaretz bis zum frühen Nachmittag bei 36,7 Prozent, etwas geringer als bei der letzten Wahl im Jahre 2013 zur gleichen Zeit (38,3 Prozent). Die Wahllokale schließen um 21 Uhr (MESZ). Direkt danach soll es erste Prognosen geben. Der wahre Sieger dürfte jedoch erst Wochen später feststehen: Weil Israels Parteienlandschaft stark zersplittert ist, wird die Bildung einer Koalition erwartet. Daher könnten die kleineren Parteien entscheiden, wer Regierungschef wird.