Im Jemen wird die komplette Machtübernahme durch die schiitischen Huthi-Rebellen wahrscheinlicher. In den vergangenen Tagen rückten sie bis an die im Süden des Landes gelegene Hafenstadt Aden heran. Von dort flüchtete Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi am Morgen offenbar aus seinem Palast. Ein Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AP am Abend, Hadi sei auf dem Seeweg aus Aden geflohen. Zuvor hatte ein Mitglied der Präsidentengarde mitgeteilt, Hadi sei "mit einem Hubschrauber und begleitet von saudi-arabischen Diplomaten in Richtung Ausland" unterwegs.

Erst vor wenigen Wochen musste Hadi aus der Hauptstadt Sanaa in den Süden fliehen, nachdem die Aufständischen dort die Kontrolle übernommen hatten. Vor wenigen Tagen begannen die Huthis mit dem Vormarsch gen Süden. Zuletzt hatte der Huthi-Sender Al-Masira gemeldet, die Rebellen hätten den Luftwaffenstützpunkt Al-Annad erobert, der nur etwa 60 Kilometer von Aden entfernt liegt. Von dem Stützpunkt hatten die USA in der vergangenen Woche ihr Personal abgezogen. Al-Anad wurde von den USA als Drohnen-Stützpunkt im Anti-Terror-Kampf genutzt. US-Soldaten trainierten dort jemenitische Spezialeinheiten.

Im Staatsfernsehen verkündete ein Sprecher der Rebellen, für die Festnahme des Präsidenten sei nun eine Belohnung von 100.000 Dollar ausgesetzt. Die Huthis nahmen zudem Verteidigungsminister Mahmud al-Subaihi in der Provinz Lahdsch fest. Die Regierung bestätigte das. Huthi-Sprecher Mohammed Abdel-Salam sagte Al-Masira, die Huthis würden Aden binnen weniger Stunden erreichen. Sie bekämpften Verbündete Hadis an fünf Fronten, hätten aber nicht vor, Aden zu besetzen.   

Der internationale Flughafen Adens stellte aus Sicherheitsgründen vorübergehend seinen Betrieb ein, hieß es aus Flughafenkreisen; Sicherheitsvertreter am Airport bestätigten die Angaben. Aus Militärkreisen verlautete zudem, dass sich Einwohner Adens in einem Armeedepot mit Waffen versorgten, um sich gegen die vorrückenden Rebellen zu wehren.

Nach Berichten lokaler Medien griffen Kampfflugzeuge Hadis Palast in Aden an. Ein Kampfjet habe mindestens drei Raketen darauf abgefeuert, berichtete die lokale Nachrichtenseite Aden al-Ghad unter Berufung auf Augenzeugen. Bodentruppen hätten das Feuer erwidert. Schon am Wochenende hatten Kampfflieger das Anwesen Hadis attackiert.

Unterstützung erhalten die Huthis nach lokalen Quellen von Soldaten, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu ergeben sind. Salih war Anfang 2012 nach Protesten gegen ihn zurückgetreten.

Stunden vor seiner Flucht hatte Hadi die Vereinten Nationen noch um Hilfe gebeten: Er forderte eine UN-Intervention gegen die Huthi-Rebellen. In einem Brief an den Sicherheitsrat hieß es weiter, er habe Mitglieder des Golf-Kooperationsrats und die Arabische Liga gebeten, umgehend "alle nötigen Schritte zum Schutz des jemenitischen Volkes vor der anhaltenden Huthi-Aggression" zu ergreifen.

Hadi fordert UN-Intervention im Jemen

Der UN-Sicherheitsrat hatte vor Kurzem eine Erklärung abgegeben, darin wurde Hadi Unterstützung zugesichert. Diplomaten zufolge ist bislang kein neues Treffen zum Jemen geplant. Am Wochenende hatte der UN-Sondergesandte Jamal Benomar vor einem Abgleiten des Landes in einen Bürgerkrieg gewarnt.

Die Huthis hatten im vergangenen September die Hauptstadt Sanaa überrannt und nach monatelangem Machtkampf Hadi unter Hausarrest gesetzt. Im Februar flüchtete er nach Aden und erklärte die Stadt im Südjemen am Wochenende zur vorübergehenden Hauptstadt. Die Huthis riefen daraufhin ihre Anhänger zu den Waffen und begannen eine Offensive in Aden. Nach Einschätzung der UN steht das Land am Rande eines Bürgerkriegs.

Im Jemen sind aber auch die sunnitischen Terrororganisationen "Islamischer Staat" (IS) und Al-Kaida aktiv. Den Al-Kaida-Ableger betrachten die USA als einen der gefährlichsten überhaupt. Am Freitag hatten Selbstmordattentäter, die eigenen Worten zufolge dem IS nahestehen, zwei Moscheen in Sanaa angegriffen und 137 Menschen getötet. Rebellenführer Abdel Malik al-Huthi kündigte daraufhin an, Milizen und Al-Kaida-Kämpfer im Süden des Jemen anzugreifen. Die Huthis gingen erneut in die Offensive und besetzten Tais, die drittgrößte Stadt des Jemen.