Der Tatort des Mordes an Boris Nemzow in Moskau © Vasily Shaposhnikov/Kommersant/Getty Images

Von dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow soll es kaum Videoaufnahmen geben, obwohl in der Nähe des Tatorts etliche Überwachungskameras installiert sind. Die vorhandenen Aufnahmen seien entweder sehr unscharf oder es gebe gar keine entsprechenden Aufzeichnungen, berichtet die Moskauer Zeitung Kommersant. Die Kameras am Kreml seien wegen Wartungsarbeiten nicht angeschaltet gewesen.  

Die Stadt Moskau wies den Medienbericht zurück. Alle funktionierten, heißt es. Die Aufnahmen würden ausgewertet. Sie könnten entscheidend sein: Von der Seite des Kremls muss es für die vorhandenen Kameras eine freie Perspektive auf den Tatort gegeben haben.

Für eine Aufklärung des Mordes ist Medien zufolge ein Experte für Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund zum Sonderermittler ernannt worden. Mit dem Fall befasse sich der General Igor Krasnow, der eine Sonderkommission aus zwölf Ermittlern leite.

Täter soll an Brücke gewartet haben

Der General hatte auch die politischen Morde an dem kremlkritischen Anwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasia Baburowa bearbeitet. Sie waren 2009 erschossen worden. Das dürfte auch auf den Hauptermittlungsansatz hindeuten: ein Mord, womöglich verübt von Nationalisten, die aus Hass auf die prowestliche Opposition gehandelt haben könnten, urteilten Kommentatoren. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Die Begleiterin des Getöteten soll den Ermittlern bestätigt haben, dass der Täter von einer Treppe der Brücke hinter ihnen kam und dann auf Nemzow gefeuert habe. Die Fahndung nach dem Schützen, für dessen Ergreifung die Behörden eine Belohnung von drei Millionen Rubel (rund 45.000 Euro) aussetzten, verlief bisher ergebnislos. 

Der Kreml geht von einem Auftragsmord aus. Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Nach Angaben der Ermittler feuerte der Täter aus einer Makarow-Pistole mehrere Schüsse ab. Die Projektile jedoch sollen zwar ein Kaliber haben, aber unterschiedlicher Herkunft sein.